Albrecht Altdorfer - Die AlexanderschlachtÖltempera auf Lindentafel, 1528-29, 158 x 120 cm , Alte Pinakothek in München

Tags: 16. Jahrhundert Deutschland Deutsche Malerei Renaissance

Von morgens bis abends

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zum berühmten Gemälde 'Die Alexanderschlacht' von Albrecht Altdorfer!

Albrecht Altdorfer — Die Alexanderschlacht

Das 1528-29 entstandene Gemälde „Die Alexanderschlacht“ von Albrecht Altdorfer zeigt den Kampf Alexanders des Großen gegen den Perserkönig Darius in der Schlacht bei Issos 333 vor Christus. Die Technik entspricht Öltempera auf Lindenholz und die Arbeit befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München. Albrecht Altdorfer, Nürnberger Maler, Kupferstecher und Baumeister der Renaissance schuf diese Auftragsarbeit für Herzog Wilhelm IV. von Bayern in der Blüte seiner Schaffenszeit. Das Werk zählt heute zu den wichtigsten Arbeiten der altdeutschen Malerei. Altdorfer ist für seine detailreiche Landschaftsmalerei bekannt, der er selbst bei religiösen Themen die größte Aufmerksamkeit zu schenken scheint. Dabei gelingt es ihm stets das Licht auf besondere Art und Weise einzufangen und die Farben auf seiner Leinwand brachte er regelrecht zum Leuchten. Mit seiner auffallenden malerischen und zeichnerischen Ausdrucksqualität und seinem lebhaften Pinselduktus schaffte er neuen Illusionismus und Originalität und beweist damit immer wieder seinen wertvollen Individualstil.

Das zentrale Motiv des Werks stellt die geschichtsrelevante und bedeutsame Alexanderschlacht dar, die vom Betrachter aus einer göttlichen Panoramaperspektive aus beobachtet werden kann. Eine Steintafel hängt von oben herab und beschreibt die Szene in lateinischen Worten. Der weitreichende Blick des Betrachters öffnet ihm eine phantastische Welt- und Himmellandschaft. Der Blick des Betrachters ist so weit gefasst, dass er die Sonne und den Mond erkennen kann. Im weiten und fließend gestalteten Vordergrund sind hunderte und tausende Krieger in akribischer Detailgenauigkeit abgebildet. Die griechischen Krieger tragen weiß-blaue Uniformen während die Perser meist Rot tragen. Turbanträger, Ritter und Heere von Landesknechten in moderner Tracht und in zeitgemäßen Rüstungen. Die Soldaten, zu Fuß und zu Pferd, sind mit allerlei Wimpeln sowie Waffen wie Speeren und Lanzen ausgestattet. Einige tragen beschriftete Fahnen außerdem sind weitere kleiner Schriftzüge auf dem Bild zu entdecken. Im hinteren Bereich sind eine Ruine, eine Burg vor einem hohen Berg, ein Dorf und ein Zeltlager zu erkennen.

Im Mittelgrund zeigt Altendorfer ein Stück der restlichen weiten Welt aufgrund der Entfernung in Blau gehalten. Der Turm von Babylon, die Insel Zypern, dahinter das Rote Meer, rechts daneben Ägypten mit dem Nil, ferne Berg- und Mittelmeerlandschaften. Weiter hinten ist die Stadt Tarsus dargestellt. Den abschließenden Hintergrund bilden der Himmel und die bedeutungsverheißenden Wolkenformationen mit den feinkrausen Wolkenrändern, an denen sich das Licht der hellstrahlenden Sonne bricht, sowie dem silber-weiß leuchtenden Mond.

Darius und Alexander sind in der Mitte des Schlachtfeldes auszumachen. Darius auf einem von drei Schimmeln gezogenen Streitwagen und Alexander reitend auf einem Schimmel. Zu erkennen geben sich die beiden durch an Wagen und Pferdegeschirr angebrachten Namensschildern. Darius scheint die Szene verlassen zu wollen und bewegt sich in Richtung Bildrand. Alexander reitet in die gleiche Richtung und folgt Darius. Die Darstellungsart deutet darauf hin, dass Darius gerade beschlossen hat zu fliehen. Die bereits feststehenden Zahlen der Toten, die im Bild als Hinweise zu findet sind, deuten vorweg den großartigen Sieg Alexanders an und sind als Lesehilfe für den Betrachter zu verstehen. Dass die einzelnen Soldaten buchstäblich Bedeutungsträger sind, ist nur dem „allwissenden“ und „allsehenden“ Betrachter bekannt, dessen Wissen der aktuellen narrativen Zeit des Geschehens historisch voraus ist. Das schafft eine Nähe und gleichzeitig eine Distanz zwischen Geschehnis und Betrachter.

Die hoch vor das Himmelsgewölbe entrückte Steintafel ist gleichsam ein Sinnbild der Geschichte und ein Denkmal des Geschichtsbewusstseins selbst. Die Fahnen geben Auskunft darüber wie viele Soldaten die beiden Herrscher in diesem Kampf erschlagen haben:

Original:

„ALEXANDER M(AGNVS) DARIVM VLT(IMVM) SVPERAT CAESIS IN ACIE PERSAR(VM) PEDIT(VM) C(ENTVM) M(ILIBVS) EQVIT(VM) VERO X M(ILIBVS) INTERFECTIS MATRE QVOQVE CONIVGE; LIBERIS DARII REG(IS) CVM M(ILLE) HAVD AMPLIVS EQVITIB(VS) FVGA DILAPSI CAPTIS“

Übersetzung:

„Alexander der Große besiegt Darius den Letzten, nachdem in den Reihen der Perser 100.000 Mann zu Fuß und über 10.000 Reiter erschlagen und Mutter, Gattin und Kinder des Königs Darius mit nicht mehr als 1.000 in Auflösung fliehenden Reitern gefangen worden waren.

Die einzigartige malerische Darstellungsweise, die Altendorfer für dieses Gemälde verwendet, schafft einen tiefen Bildraum. Er spielt mit Licht und Schatten, zeigt Tag und Nacht, Sonne und Mond an einem Himmel, über einer Szene. Nach den überbrachten Berichten über die Schlacht bei Issos trug sich das Ereignis in der Nähe des Meeres im November 333 v. Chr. zu und dauerte vom Morgen bis zur anbrechenden Nacht. Altendorfer verarbeitet diese Information im Bild und erzählt die Geschichte der gesamten Schlacht. Der Perserkönig Darius gab sich, trotz seiner zahlenmäßigen Überlegenheit geschlagen und während er flüchtete, geriet seine Familie in Gefangenschaft. Alexander, mit seinem kleinen doch überaus erfolgreichem Heer, verschonte die Familie Darius´ jedoch. So wurde die siegreiche Alexanderschlacht zum Tugendsinnbild fürstlichen Großmuts und der erfolgreiche Herrscher und Schlachtenführer Alexander zum Vorbild vieler Herrscher in der Geschichte so auch für den Auftraggeber dieses Gemäldes, Herzog Wilhelm IV. von Bayern.

© the artinspector / liliane baab