Ambrosius Benson - Loth und seine Töchter Öl auf Eichenholz, vor 1550, Kunstpalast in Düsseldorf

Tags: 16. Jahrhundert Bibel Niederlande Flämische Malerei Barock

Da herrscht Sodom und Gomorra...

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zu dem berühmten Gemälde 'Loth und seine Töchter' von Ambrosius Benson!

Ambrosius Benson — Loth und seine Töchter 

Die dargestellte Szene hat ihren Ursprung in der Geschichte um Sodom und Gomorra im Alten Testament. Loth wird nach der Flucht aus dem brennenden Sodom von seinen Töchtern alkoholisiert. Zwei Nächte hintereinander schläft jeweils eine der Frauen mit dem Vater, ohne dass er es merkt. Doch den Frauen geht es nicht um sexuelles Vergnügen, sondern um Nachkommen. Sie denken, die ganze Welt wäre ausgelöscht und daher gäbe es auch keine zukünftigen Ehemänner mehr.

Im Werk von Ambrosius Benson verweisen neben den Figuren die Flammen im Hintergrund, der Weinkrug und die entblößte Brust einer der Frauen auf die Geschehnisse. In Galeriebildern der Renaissance und Barock ist das offenkundig laszive Motiv weit verbreitet. Es verbindet Erotik mit Sünde, Trunkenheit mit Exzess.

Geschickt berichtet die Bibel dabei von der Unschuld des Vaters in der Blutschande, wenn dieser von seinen Töchtern unter Alkohol wehrlos gemacht und verführt wird. Wie der Apfel bei Adam und Eva, ist es hier der Wein, durch den der Mann von den Sünderinnen überwältigt wird.

Feministisch gesehen, scheint die Geschichte aussagen zu wollen, dass der erste Inzestfall und die erste Vergewaltigung in familiärem Umfeld eine Tat der Frauen wäre. Auch heute noch behaupten die meisten inzestuösen Väter, die Tochter habe sie verführt und den sexuellen Kontakt gewollt. Dass Loth wenig Rücksicht auf das Wohlergehen seiner Töchter nimmt, wird zuvor in der Geschichte deutlich: Um seine männlichen Gäste vor einer kriminellen Männerbande mit homosexuellen Trieben (Sodomie = Knabenlust) zu retten, bot Loth seine jungfräulichen Töchter zur Massenvergewaltigung an.

Auffällig ist, dass in verschiedenen europäischen Kinder- und Familienbibeln des 16. und 17. Jahrhunderts die Szene der angebotenen Vergewaltigung ausgelassen wird oder noch vor der Höhlenszene endet. So kann der Familienvater nicht in Verruf geraten.

© the artinspector / frauke maria petry