Annibale Carracci - Selbstbildnis auf der StaffeleiÖl auf Leinwand, 1605, 37 x 32 cm, Galerie der Uffizien in Florenz

Tags: 17. Jahrhundert Italien Italienische Malerei Renaissance

Oh, wie bin ich schön!

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zum berühmten Gemälde 'Selbstbildnis auf der Staffelei' von Annibale Carracci!

Annibale Carracci —  Selbstbildnis auf der Staffelei 

Unkonventionell vereint Carracci in diesem Werk die ohnehin verwandten Sparten - Atelierbild und Selbstportrait - miteinander. Sein Selbstbildnis steht präsent und erleuchtet im Mittelpunkt des Bildes. Die restliche Umgebung verschwimmt in einer kontrastarmen Umgebung. Es scheint ein Atelierraum zu sein - zumindest ist die hölzerne Staffelei deutlich erkennbar. Hinten befindet sich, jedoch weniger scharf, ein geöffnetes Fenster mit der Silhouette einer Figur. Es könnte der Künstler sein, der nach getaner Arbeit in der Außenwelt nach neuer Inspiration sucht. Am Fuße der Staffelei sind ein Hund und eine Katze zu erkennen. Dies spielt auf die bekannte Anekdote des antiken Malers Zeuxis zurück, der seinen Malerkollegen Parrhasios in einem Wettstreit besiegte, da der auf die Leinwand gemalte Vorhang so echt aussah, dass dieser ihn wegziehen wollte. Auch die Tiere in diesem Bild scheinen die Echtheit des Dargestellten anzuerkennen und seine direkte Nähe zu suchen.

Der Maler wählte sich selbst als Modell und wird somit auch zum Kunstwerk. Hier zeigt sich das neue Selbstverständnis der Maler der Renaissance . Nicht länger — wie im Mittelalter — waren sie Handwerker, die grundsätzlich gegeneinander austauschbar waren; sie hatten ihre Identität und eigene Handschrift. 

Dass nur sehr wenige Atelierbilder der italienischen Renaissance überliefert sind, mag ein falsches Bild vermitteln – schon früh gab es hier Räume, die als Atelier fungierten. Zusätzlich gab es das „studioli“ - dies war ein autonomer Raum, der ausschließlich zur Reflexion über Kunstgegenstände genutzt wurde. Beispielsweise über Tintoretto wissen wir, dass er in einer Werkstatt arbeitete, aber in seinem studioli nach Ideen suchte. Jedoch sind uns kaum Abbildungen überliefert, in denen sich Künstler in diesen Räumen porträtierten. Offenbar war diese Darstellung ohne Mehrwert, da es keinen Markt für solche Motive gab. Obwohl wir mit Vasari eines der ersten dieser Studiobilder haben und mit Carracci eines der unkonventionellsten, waren es keineswegs die Italiener, die für die zahlreich überlieferten Werkstatt- und Atelierbilder sorgten. Qualitativ haben vielmehr die nordalpinen Künstler – allen voran die Niederländer die Italiener in diesem Sujet bei weitem übertroffen.

© the artinspector / alexandra tuschka

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