Bartolomé Esteban Murillo - Trauben- und MelonenesserÖl auf Leinwand, um 1645/46, 145,9 x 103,6 cm, Alte Pinakothek in München

Tags: 17. Jahrhundert Spanien Spanische Malerei Barock Genre

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Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zum berühmten Gemälde 'Trauben- und Melonenesser' von Bartolomé Esteban Murillo!

Bartolomé Esteban Murillo — Trauben- und Melonenesser

Die facettenreiche Darstellung und Inszenierung von Armut gilt als beliebtes Thema der barocken Genremalerei . Dieser Thematik nahm sich auch der in Sevilla geborene spanische Maler Bartolomé Esteban Murillo an, wobei er sich bei der Wahl seiner Sujets an den Künstlern Jusepe de Ribera, Michelangelo Merisi da Caravaggio sowie den Bettlerdarstellungen der in Rom ansässigen niederländischen Genremaler, den Bamboccianti, orientiert haben könnte.Die «Trauben- und Melonenesser» ordnen sich dabei in eine ganze Werkreihe des Künstlers, bei der er bettelnde und vagabundierende Kinder verbildlichte. Da diese Gemälde insbesondere bei ausländischen Kaufläuten äußerst beliebt waren, sind sie heute fast ausschließlich außerhalb von Spanien zu finden. So tauchten auch die Traubenesser bereits 1691 im Nachlass eines wohlhabenden Antwerpener Bürgers auf.

In ausgesprochen realistischer Manier sind zwei Jungen aus nächster Nähe abgebildet, die nahezu den gesamten Bildraum einnehmen. In einer dunklen Ecke, in karger Umgebung, hockt einer der beiden auf dem Boden, der andere auf einem hölzernen Schemel. Genüsslich kauend verzehren sie die saftigen Früchte eines prall mit Trauben gefüllten Obstkorbes, während sie einen vielsagenden Blick tauschen. Auf dem Schoß, des in der rechten Bildhälfte befindlichen Knaben, liegt eine prächtige gelbe Honigmelone. Mit einem Messer in der Hand hat er bereits zwei schmale Stücke zum Verzehr herausgeschnitten. Die Kleidung der Jungen ist stark verschmutzt und zerrissen. Kaum bedeckt sie deren blanke Brust und entblößt an einigen Stellen das mehr graue als weiße Untergewand. Doch trotz der schonungslosen Darstellung ihrer äußeren Erscheinung wirken sie wohlgenährt. Es sind kurze Momente des Glücks, die der Maler aus dem Leben der andalusischen Straßenjungen zeigt, wenngleich die Szene stark idealisiert wirkt. Ein Eindruck der sich dahingehend verstärkt, dass vom Schmaus übrig gebliebene Schalenreste und Ästchen, die sich gleich einer Mahnung zu den Füßen der Jungen befinden, auf die Vergänglichkeit des Augenblicks hinweisen. Gleiches gilt für zwei kleine Fliegen, die sich auf dem Korpus der Melone niedergelassen haben.

Armendarstellungen wie diese wurden bereits unter den Zeitgenossen heftig diskutiert. So kritisierte der italienische Maler und Dichter Salvator Rosa in seinem Malereitraktat «La Pittura» bereits Mitte des 17. Jahrhunderts sowohl die Künstler als auch deren wohlhabende Käuferschicht. Die Dargestellten blieben dagegen meist in ihrem Elend.

© the artinspector / julia kynast