Hieronymus Bosch – Der SteinschneiderÖl auf Holz, um 1490, unbekannt, Museo del Prado in Madrid

Tags: 15. Jahrhundert Hieronymus Bosch Niederlande Niederländische Malerei Nordalpin Renaissance

Wir heilen dich von der Narretei!

Beschreibung

Länge: 1:25 Min.

Beschreibung und Interpretation des berühmten Gemäldes 'Der Steinschneider' von Hieronymus Bosch!

Hieronymus Bosch – Der Steinschneider

Unter dem Begriff „Steinschneider“ können wir uns heute nur schwerlich etwas vorstellen. Im ausgehenden Mittelalter gab es jedoch eine Quacksalbertruppe der besonderen Art. Da die Menschen glaubten, ein Stein im Kopf wäre die Ursache für Dummheit und Narretei, bot eine Gruppe selbsternannter Heiler an, diese durch einige Schnitte aus dem Kopf des Betroffenen zu entfernen.

Bosch, der dieses Spiel längst durchschaut hat, führt die Situation in seinem Bild ad absurdum. Er zeigt die Operation im vollen Gange. Dass es eigentlich nur um das Geld des Mannes ging, zeigt der Dolch, der die ledernde Tasche des Mannes zerreist. Zudem zieht der Heiler auch keine Steine aus dem Kopf des Mannes, sondern „Sumpftulpen“ – Seerosen- die in der Gaunersprache für „Geld“ standen.

Eine Nonne und ein Mönch mit einem Zinnkrug, womöglich ein Symbol für die Trunksucht, unterstreichen die Absurdität der Situation, aber auch den Hang zum Aberglauben. Das Buch auf dem Kopf der Nonne und der Trichter des Arztes links symbolisieren ihre Unverbundenheit zu Gott, da sie sich selber vom himmlischen abgeschirmt haben. Nur der Patient wirft einen mahnenden Blick auf den Betrachter. Eingebettet ist die ganze Szene in eine weite und stille Naturlandschaft.

© the artinspector / alexandra tuschka