Robert Capa - Geschorene Frau: Sie hat ein Kind mit einem deutschen SoldatenAbzug auf Barytpapier, 1944, 24,5 x 35 cm, Fotoberichterstattung in Life Magazin

Tags: Fotografie Foto Kriegsfotografie Kriegsfotograf Krieg Schwarzweiß Familie Mutter

Wo Liebe wächst, gedeiht Leben - wo Hass aufkommt, droht Untergang.

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zur berühmten Fotografie 'Geschore Frau: Sie hat ein Kind mit einem deutschen Soldaten' von Robert Capa!

Capa— Geschorene Frau: Sie hat ein Kind mit einem deutschen Soldaten, Chatres, 1944

Fast ausgelassen scheint die halbe Stadt auf den Beinen zu sein, würde der Blick nicht auf eine junge Mutter mit rasiertem Schädel fallen. Ihr kahlgeschorener Kopf entreißt dem Betrachter den Boden unter den Füßen: Die Haare wurden ihr abrasiert, weil sie sich mit einem Deutschen eingelassen hatte. Der Mob, der sich links und rechts der kleinen Familie formiert hat, versucht diese mit Spott zu belegen: Ein Mann in Uniform mit Helm, gleichauf mit der jungen Frau, spricht sie sogar direkt an. Die Köpfe beim Gehen der Geschorenen zugedreht, bewegt sich die Horde schnellen Schrittes auf den Fotografen zu. Der Kopf eines jungen Mannes ragt aus der Menge, der Mund steht ihm vor Neugier offen. 

Auch wenn Fotografie ohne Ton auskommt, lässt sich die Häme und der Spott über die junge Frau fast förmlich greifen. Die Scham über das blanke Haupt und die Beleidigungen des Mobs, der sich vielleicht sogar der Schuldzuweisung oder Rache bedient, vermögen es nicht, die Mutter von ihrem Weg abzubringen. Im Gegenteil: Voller Würde, ihr Kleines nicht aus den Augen verlierend, bahnt sie sich entschlossenen Schrittes den Weg durch die geifernde Menge.

Fotografie zeigt nicht nur bloßes Geschehen; eigensinnig vermag sie es, Meinungen zu prägen und Gefühle zu intensivieren. Das Schwarzweißfoto von Robert Capa zeigt eine Straßenszenerie 1944 in Chatres, Frankreich. Als politischer Flüchtling jüdischer Abstammung ist Endre Ernö Friedmann selbst vor Verfolgung gefährdet, erst recht nach der Machtergreifung Hitlers. So begann er, auch aus Ermangelung an Aufträgen, gemeinsam mit seiner Partnerin Gerta Taro seine Karriere als Fotograf unter dem Pseudonym „Robert Capa“. 1943 dokumentierte Capa für das amerikanische Magazin „Life“ den Vormarsch der Alliierten in Europa, indem er die Fotoberichterstattung übernahm. Seine unerschrockenen Reportagen machen Capa zu einem der wichtigsten Kriegsfotografen seiner Zeit. 

© the artinspector / sylvi weidlich