Caravaggio - Die Ruhe auf der FluchtÖl auf Leinwand, 1597, 135,5 × 166,5 cm, Galleria Doria Pamphilj in Rom

Tags: 16. Jahrhundert Caravaggio Italien Bibel Italienische Malerei Südalpin Barock

Hör mal!

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zu dem berühmten Gemälde 'Die Ruhe auf der Flucht' von Caravaggio!

Caravaggio — Die Ruhe auf der Flucht

Bei diesem Bild ist einiges anders, als wir es bei dem Sujet «Die Ruhe auf der Flucht» gewöhnt sind. Ein Engel mit schwarzen Flügeln ist mittig als Rückenfigur angeordnet. Er zückt die Geige, um ein Lied darauf zu spielen. Josef, links, hält unsicher ein Notenblatt vor seinen Körper, von dem der Knabe ablesen kann. Und Mutter Maria ist tatsächlich eingeschlafen, das Jesuskind noch auf dem Schoß. Der Esel und Proviant befinden sich auf Josefs Seite und verweisen auf das Bildthema. Aber diese «Ruhe auf der Flucht» wird durch diesen Engel nicht, wie es bei anderen Bildern des Themas der Fall ist, untermauert, sondern vielmehr unterbrochen. 

Josef ist hier seiner Typologie entsprechend als alter Mann dargestellt. Damit wurde auch malerisch die unbefleckte Empfängnis untermauert. Seine Füße liegen frei und nesteln miteinander. Scheinbar macht der Engel ihn ziemlich nervös! Wenn wir bedenken, was sich Josef noch zeigt, dann birgt die Rückenansicht natürlich ein weiteres pikantes Gedankenexperiment. Die Draperie, die den Engel umgibt, legt seine Scham nach vorne offenbar frei. Über Caravaggios Homosexualität darf spekuliert werden, womöglich finden wir hier eine subtile Anspielung. Das wachsame Auge des Esels beobachtet das ganze. Kann die strikte Zweiteilung des Werkes uns weiteren Aufschluss geben? Auf Josefs Seite sehen wir keine Vegetation; nur Steine und Blätter schmücken die braune Erde. Auf Marias Seite sehen wir zwar Vegetation, aber keine Blüten. Und über dem Engel thront eine bereits mit Schwamm befallene Eiche.  

Caravaggio verstößt hier durch viele Aspekte gegen das damals vorherrschende decorum. Dies war ein Regelwerk, welches festhielt, wie sakrale Themen auszusehen hatten. Gelb war bspw. als liturgische Farbe verboten. Aber noch schlimmer! Hier schmückt ein gelbes Band Maria glatt wie die zeitgenössischen Prostituierten. Zudem griff Caravaggio für die Darstellung der Gottesmutter auf dasselbe Modell zurück wie für Maria Magdalena. Und Maria zu überschneiden und in einer derart passiven Rolle zu zeigen, dürfte den konservativen Betrachtern erst recht nicht gefallen haben. 

© the artinspector / alexandra tuschka