Eglon Hendrik v.d. Neer - Die Frau Kandaules entdeckt GygesÖl auf Leinwand, 1660–1662, 82,3 x 100,3 cm, Kunstpalast in Düsseldorf

Tags: 17. Jahrhundert Niederlande Niederländische Malerei

Achtung, ein Spanner...

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zum berühmten Gemälde 'Die Frau des Kandaules entdeckt den versteckten Eglon Hendrik van der Neer!

Eglon Hendrik van der Neer — Die Frau des Kandaules entdeckt den versteckten Gyges 

Die Geschichte des Kandaules, deren Höhepunkt Eglon Hendrik van der Neer auf Leinwand festhält, ist nicht-religiösen Ursprungs. Sie findet sich bei Herodot in seinen Historien und bei Nikolaos von Damaskus: Kandaules, König über Lydien, prahlt vor seinem Leibwächter Gyges mit der Schönheit seiner Ehefrau Nyssia. Zum Beweis lädt er den Freund ein, die Unbekleidete heimlich zu betrachten. In van der Neers Ölgemälde befindet sich Gyges am linken Bildrand hitner dem Bettvorhang. Die dunklen Farben verbildlichen sein Versteck, muss der Betrachter doch sehr genau hinschauen. Doch Nyssia, die sich im Rückenakt präsentiert, wendet sich nicht nur in Richtung des Gatten, sondern ebenso zu dem Spanner.

Es wird angedeutet, dass die Frau das Spiel durchblickt. Später stellt sie Gyges vor die Wahl, entweder Kandaules zu erstechen oder selbst zu sterben. Der Untertan entscheidet sich für sein Leben, nimmt Nyssia zur Frau und wird König. Als hellste Fläche im Bild wird der_die Betrachtende ebenso verleitet, die nackte Frau anzusehen, und wird auch zum_r Voyeur_in – doch es folgt keine Strafe. Es geht um den verbotenen Blick auf weibliche Nacktheit. Das Schauen steht hier in unmittelbarer Verbindung zum Tod. Moralische Siegerin ist die Frau. Sie rächt sich dafür, dass ihr Mann sie zum Objekt macht. Gleichzeitig wird Gyges von ihr instrumentalisiert.

Im 17. Jahrhundert wurde das Motiv in der holländischen Malerei als Gegenbeispiel für ein ehrbares Eheverhältnis aufgegriffen. Die Frage nach Besitz und Verfügbarkeit über die Ehefrau wurde damit neu diskutiert.

© the artinspector / frauke maria petry