Francesco del Cossa - Die VerkündigungTempera auf Leinwand, 1470, 137 x 113 cm, Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden

Tags: 16. Jahrhundert Bibel Italien Italienische Malerei Renaissance

Oh je - Eine Schnecke im Schlafgemach!

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zum berühmten Gemälde 'Die Verkündigung' von Francesco del Cossa!

Francesco del Cossa - Die Verkündigung

Das 139 x 113,5 cm große in Tempera auf Pappelholz ausgeführte Werk der Frührenaissance von Francesco del Cossa zählt zu seinen Hauptwerken und kam 1750 nach Dresden. Del Cossa selbst zählt zu den wichtigsten Vertretern der Ferrareser Malerschule aus der Zeit der Renaissance .

Zu sehen ist wie der Erzengel Gabriel Maria die Geburt Jesu (Lukas 1, Vers 26-38) verkündet. Diese biblische Szene platziert der Künstler in eine prächtige, mit Mitteln der Zentralperspektive betont tiefenräumlich konstruierte Architektur. Links oben im Himmelsblau erscheint Gottvater, der den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube herabschickt. Im Augenblick der Verkündigung befindet sie sich in ihrem Schlafgemach. Die Vorhänge vor dem Bett, die zurückgebunden sind, werden vom Licht strahlend beleuchtet. Ein Betpult, das ein Fries mit tanzenden Putti schmückt, deutet auf die Frömmigkeit von Maria, das auf ihm liegende Buch auf ihre Weisheit hin. Maria trägt einen Schleier als Zeichen ihrer Jungfräulichkeit. Die erzählerische Ausgestaltung der Szene sowie die präzise, detailliert ausgeführte Malerei sind typisch für die Renaissance .

Ebenso ist des Künstlers Vorliebe für ornamentalen Dekor spürbar. Unter den Triumphbögen einer phantastischen Renaissance -Palastarchitektur steht Maria im Augenblick der Inkarnation mit niedergeschlagenen Augen, die rechte Hand auf die Brust gelegt, was als Geste der Demut angesehen wird. Gabriel verkündet links vor einer Säule kniend, die ihm von Maria trennt, mit ausladender Geste den Willen Gottvaters, der vor dem Dreieck der Dreieinigkeit am Himmel sichtbar ist. Dabei dient die Taube als Zeichen des entsendeten Hl. Geistes.

Das gezeigte Bild ist nicht nur überaus detailreich, es beinhaltet auch zahlreiche Symbole, u.a. in tierischer und pflanzlicher Gestalt. Die Schnecke, die am unteren Bildrand entlang kriecht, ist ein Symbol für die Reinheit Marias. Ihre Bedeutung erhielt sie dadurch, dass in mittelalterlichen Schriften angenommen wurde, dass die Schnecken ungeschlechtlich durch den Tau befruchtet würden. Zugleich ist die Weinbergschnecke ein Hinweis auf Marias Leben ohne Sünde und auf die jungfräuliche Empfängnis. Darüber hinaus schmücken die als Reinheitssymbol geltenden Lilien in stilisierter Form im Relief die Rundungen der Architekturbögen, unter denen Maria steht. Auf dem Hof im Hintergrund schleicht ein dunkler, wolfsartiger Hund fort, der das Böse symbolisiert. An den Palast schließt sich eine Turmruine an, die als Hinweis auf den Davidspalast oder die Synagoge gesehen wird.

© the artinspector / dr. stefanie meier-kaftan

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