Giovanni Bellini - Die Trunkenheit NoahsÖl auf Leinwand, 1515, 103 × 157 cm, Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie in Besançon

Tags: 16. Jahrhundert Bibel Italien Italienische Malerei Renaissance

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Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zum berühmten Gemälde 'Die Trunkenheit Noahs' von Giovanni Bellini!

Giovanni Bellini — Die Trunkenheit Noahs

Nur Noah, seine Frau, seine drei Söhne und deren Frauen überlebten die Sintflut. Es hatte 40 Tage und Nächte geregnet und dann zusätzliche 150 Tage gebraucht, bis das Wasser in der Erde versunken war. Die ca. 150 Meter lange Arche landete auf dem Berg Ararat. Nach dem Auszug der Familie und der Tiere gab Noah ein Opferfest. Gott sandte den Regenbogen als Friedenszeichen. 

Das Land, in dem sich die Familie niederließ war fruchtbar und so baute Noah auch Wein an. Eines Abends jedoch nahm er einen Schluck zuviel und schlief betrunken ein. Sein Sohn Ham bemerkte dies und auch, dass man das Geschlecht des Vaters sehen konnte. Es amüsierte ihn und er holte seine Brüder Japhet und Sem, um sich gemeinsam darüber lustig zu machen. Diese aber, aus Respekt vor dem Vater verweigerten sich, sahen nicht hin und näherten sich dem rücklings Alten mit einer Decke. Als Noah am nächsten Tag erwachte und davon erfuhr verfluchte er Hams Sohn Kanaan, der das Volk der Kanaaniter begründete und gilt auch als Stammvater der Afrikaner. Die anderen beiden Söhne hingegen segnete er. Auch dieser gründeten Völker. Aus Sem gingen die Semiten (Juden) hervor und Japhet gilt als Stammvater der Europäer. Die drei heiligen Könige sollen die drei Stämme der drei Brüder noch heute verkörpern. Freilich wurde diese Geschichte theologisch und ideologisch auch missbraucht um die Versklavung und Unterdrückung der afrikanischen Völker zu rechtfertigen. 

Noah ist hier nackt zu sehen, wie er in einer recht unbequemen Haltung quer über den ganzen Bildgrund liegt. Obwohl er seine Söhne mit 500 Jahren zeugte und selbst 850 Jahre alte wurde und somit ein «biblisches Alter» erreichte, ist er hier sehr gealtert mit weißem Bart und schlankem Körper zu sehen. Auch ungewöhnlich ist, dass der Künstler hier die Söhne dem Vater zugewandt zeigt. In zahlreichen Versionen anderer Künstler ist Noah noch bekleidet und die Söhne nähern sich mit dem Rücken zugewandt. Trauben und ein leeres Gefäß sind Elemente des Themas und gaben dem Künstler Gelegenheit, auch Stilllebenelemente einzubringen. 

Ham ist mittig zu sehen, wie er grinsend und sich Platz verschaffend auch den Betrachterblick lenkt. Er scheint die anderen Brüder wegdrängen zu wollen, die das Tuch schützend über ihren Vater legen. Sem ist links zu sehen, er ist deutlich älter als seine Brüder und verliert bereits Haare am Oberkopf. Japhet, um einiges jünger schaut demonstrativ zu Boden. Typologisch entspricht diese Episode der Verspottung Christi. 

© the artinspector / alexandra tuschka