Hans Baldung Grien – Die drei Lebensalter und der TodÖl auf Leinwand, 1510, 48 x 32,5, Kunsthistorisches Museum in Wien

Tags: 16. Jahrhundert Deutschland Deutsche Malerei Renaissance

Ich merk nichts!

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zu dem berühmten Gemälde 'Die drei Lebensalter und der Tod' von Hans Baldung Grien!

Hans Baldung Grien – Die drei Lebensalter und der Tod

Eine schöne Frau schaut sich andächtig und selbstvergessen im Spiegel an. Sie bemerkt nicht, dass der Tod bereits die laufende Sanduhr über ihren Kopf hält und damit an eine mittelalterliche Hauptidee erinnert: Nichts ist ewig, alles ist vergänglich. Das Wort „vanitas“, was Symbole der Vergänglichkeit bezeichnet, steht auch für die „Eitelkeit“, die hier in der Frau verbildlicht ist.

„Die drei Lebensalter und der Tod“ ist der Titel, die dieses Werk beschreibt, in der Annahme, dass das kleine Kind am unteren Bildrand, die junge Frau und die Alte von links jeweils eines der Alter stellvertreten sollen. Es könnte auch ein und dieselbe Person in verschiedenen Lebensaltern darstellen. Mit dieser Simultandarstellung wäre Grien der mittelalterlichen Formsprache verbunden geblieben. Der durchsichtige Schleier, den der Tod in der Hand hält, könnte ebenso für die Zeit stehen, der kein Mensch entfliehen kann. Womöglich ist unten links aber auch Amor gemeint, denn der Apfel, der neben dem Kind liegt, weist auf den Sündenfall und die Verführungskünste der Frau hin.

Der Tod als Personifikation nimmt einen Großteil des Bildes ein und ist sehr präsent dargestellt. Er ist hier kein Skelett oder Sensenmann, sondern ein verwesender Körper, der noch recht volles Haar und ein paar Hautlappen am Körper herunterhängen hat. Seine Mahnung ist auch mit einer Abwertung der offenbaren Eitelkeit der Protagonistin in Zusammenhang zu sehen. Denn wer sich in der dinglichen Welt verliert und sich anhaftet an Vergängliches begeht im damaligen Verständnis eine Sünde. Die „Eitelkeit“ war nicht umsonst die Anführerin der 7 Todsünden, da man glaubte, sie verstärke alle anderen Sünden.

Grien war Schüler Dürers und wurde vor allem durch seine Graphiken bekannt, die das humanistische Zeitalter ausdrückten: Fleischeslust, Vertrautheit mit dem menschlichen Körper, Affekte, Individualität. Schönheit und Tod sind eines seiner Haupttheman und tauchen im Ouevre immer wieder auf.

© the artinspector / alexandra tuschka