Jan Steen - Streit beim SpielÖl auf Leinwand, 1665, 70,5 x 88,9 cm, Institute of Art in Detroit

Tags: 17. Jahrhundert Niederlande Niederländische Malerei Antike Barock Jan Steen

Die Stimmung kippt!

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zum berühmten Gemälde 'Streit beim Spiel' von Jan Steen!

Jan Steen — Sreit beim Spiel

Der Fiedler untermalt eine makabre Szene mit einem Lächeln: denn gleich wird der rechte Mann sein Schwert ziehen und den Gegenspieler erstechen, wenn ihn die Dame nicht noch aufhalten kann. Der wiederum ist bereits zu Boden gegangen und hat schnell zu einem Krug gegriffen, den er dem Gegner über den Kopf ziehen möchte. Die Heftigkeit und die Unmittelbarkeit der Szene werden durch umgekippte Möbel und zerbrochene Gefäße unterstrichen. Das ebenfalls zu Boden gefallene Spiel «Backgammon» verliert durch die Heftigkeit seine Steine. Allerhand Gefäße haben leichten Stilllebencharakter und zeigen, dass Steen imstande war, vielfältige Materialien haptisch dazustellen. 

Auch die — viel lasterhafteren — Karten zeugen von einem regen Spieleabend in der Kneipe. Hat einer geschummelt oder haben wir es mit einem schlechten Verlierer zu tun?  Auch im rechten Hintergrund sind zwei Männer bereits in einer handfesten Streiterei zugange. Ein Junge — er sollte längst im Bett sein — versucht einzugreifen. Im Kronleuchter die Worte: «Prov cap 20 ver i». Was bedeuten sie? Sie verweisen auf eine Bibelstelle bei Salomo: «Der Wein macht lose Leute, und starkes Getränk macht wild; wer dazu Lust hat, wird nimmer weise.»

Steen hat eine typische «Wirtshausszene» gezeigt, die sich in den meisten Fällen in der unteren Büger- bzw. Bauernschicht abspielt. Die Elemente sind meist ähnlich: bedeutungslose Flirts, Spiel, Sauferei und eine Stimmung, die sich zwischen Ausgelassenheit und Aggressivität nicht entscheiden kann, so als gehöre eine gute Schlägerei zum guten Ton. Die aufstrebenden Niederlande brachten durch Handel eine höhere Bürgerschicht und reiche Kaufleute hervor, unter denen es eigene soziale Regeln gab. So galt es, sich von den unteren Schichten durch die Kontrolle von Emotionen und Affekten abzugrenzen. Bilder wie diese, welche die Gezeigten äußerst primitiv und derb wirken lassen, stellen deren Lasterhaftigkeit zur Schau und dienten zur Belustigung. Sie sind nicht sozialkritisch zu verstehen, sondern waren ein Instrument der Abgrenzung. Nicht ohne Sympathie, wie man selbst heute beim Schmunzeln über die Bilder bemerken wird. 

© the artinspector / alexandra tuschka