Jan Steen - Wie die Alten sungen...Öl auf Leinwand, 1665, 134 x 163 cm, Mauritshuis in Den Haag

Tags: Niederlande Nordalpin 17. Jahrhundert Renaissance Genre

Hoch die Tassen!

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation des berühmten Gemäldes 'Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen' von Jan Steen!

Jan Steen — Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen

Na, was wird denn hier gefeiert? Ein paar Hinweise gibt uns der Maler: das Kind im Bildmittelpunkt ist sehr jung, hat ein hübsches Häubchen auf und liegt in den Armen der Mutter. Und wäre da nicht das Glas in der Hand der Frau im linken Bildrand, so würde uns noch eindeutiger erscheinen, dass hier eine Tauffeier gemeint ist. Der zeitgenössische Betrachter erkannte zudem die Haube, die sich der Großvater aufgesetzt hat als jene, die ein junger Vater zwischen Geburt des Kindes und dessen Taufe getragen hat. 3 Generationen haben sich eingefunden, um diesen Tag zu feiern. 

Der Bildtitel ist auf die Textzeile zurückzuführen, die die Großmutter entziffert. Das Bild zeigt auch im rechten Bildrand, dass der schlechte Einfluss des Erwachsenen (übrigens ein Selbstbildnis von Steen) sich auf die Kinder überträgt. Er animiert den Jungen zum Tabakrauchen. Auch der Papagei, ein Symboltier für die unreflektierte Nachahmung, steht für diesen Effekt. Die Vögel im Käfig wiederum könnten für das Wort «vögeln» stehen, was in den Niederlanden der damaligen Zeit wie heute ein Synonym für den Geschlechtsverkehr war. Auch das Stövchen an den Füßen der Frau links (übrigens ein Portrait von Jans Ehefrau) spielt kokett mit dieser Assoziation. Denn wenn wir uns vorstellen, wo der warme Rauch hinbläst… Die Austern als Aphrodisiakum liegen bereit. 

Typisch niederländisch wird das Bild mit zahlreichen Stilllebenelementen bestückt. Eine geschälte Frucht liegt im Bildmittelpunkt; Gefäße verschiedenster Materialien sind im Bild vorhanden. Diese stehen einerseits natürlich für die Lasterhaftigkeit der gezeigten Familie, andererseits beweist Jan Steen damit sein malerisches Können. 

© the artinspector / alexandra tuschka