Jan Vermeer - Dienstmagd mit MilchkrugÖl auf Leinwand, 1655–1656, 45,5 × 41 cm, Rijksmuseum in Amsterdam

Tags: 17. Jahrhundert Jan Vermeer Genremalerei Niederlande Barock Nordalpin

Völlig gebannt!

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zu dem berühmten Gemälde 'Dienstmagd mit Milchkrug' von Jan Vermeer!

Jan Vermeer — Dienstmagd mit Milchkrug

Die Genremalerei zur Zeit Jan Vermeers setzte sich mit dem Motiv der Dienstmagd immer wieder auseinander. Häufig jedoch in einem weniger vorteilhaften Licht, oftmals mit einem erhobenen Zeigefinger, der auf verwerfliche Tugenden wie die Faulheit zeigte.

Vermeer hingegen zeigt uns eine Magd, die – fast meditativ – hochkonzentriert Milch aus einem Tonkrug ausgießt. Vor dem Original verstärkt sich dieser Eindruck noch: es scheint fast so, als würde die Handlung des Milchausgießens „tatsächlich“ stattfinden. Wie gelingt dem Maler dieser verblüffende Eindruck?

Bis auf ein kleines wärmendes Öfchen am rechten unteren Bildrand strahlt dieses Zimmer nichts Wohnliches aus: Vor einer kühlen, kargen Wand ohne Bilder steht eine junge Magd, von einem Lichteinfall durch das Glasfenster beschienen. Es befinden sich so gut wie keine Details hinter ihr, die den Betrachter ablenken könnten: sie allein steht im Mittelpunkt, um sie geht es hier.

Die Ärmel bis über die Ellenbogen hochgekrempelt, steht sie hinter einem kleinen Tisch. Auf diesem befindet sich ein Stillleben aus irdenen Gefäßen, einem zweihenkligen Topf, in den sie die Milch gieß und einzelnen Brotstücken. Der aktuelle Stand der Forschung geht davon aus, dass die Brotstücke rechts auf dem Tisch in drei Schichten gemalt wurden: für die erste Schicht setzte Vermeer dickes Bleiweiß ein, trug darüber eine rötliche Lasur auf, durch welche die darunter liegenden weißen Farbklümpchen durchscheinen. Die letzte Schicht schloss Vermeer mit gelb-weißen Betonungen ab. Dieser Pointillismus findet sich ebenfalls auf dem linken blau-weißen Tonkrug sowie auf dem Brotkorb wieder.

Die fast fotografische Leistung gelingt dem Maler, indem er die Kontraste im Bild stark zurück nimmt. Die einzelnen Formen lässt er nicht verschwimmen: sie bleiben voneinander abgegrenzt und randunscharf.

Hajo Düchting unterstreicht, dass es zur Zeit Vermeers unüblich war, eine Dienstmagd so in das Zentrum eines Bildes zu stellen, wie es Vermeer tat. Er erhebe die junge Frau fast in einen königlichen Stand mit einer feierlichen Ausstrahlung; die alltäglichen Arbeiten einer Dienstmagd rücken dabei völlig in den Hintergrund.

© the artinspector / sylvi weidlich