Jean-Baptiste Oudry — Toter KranichÖl auf Leinwand, 1745, 162 x 128 cm, Staatliches Museum in Schwerin

Tags: 18. Jahrhundert Tiermalerei

Am Baum aufgehangen...

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zum berühmten Gemälde 'Toter Kranich' von Jean-Baptiste Oudry!

Jean-Baptiste Oudry — Toter Kranich

Manche Tierstillleben brillieren dadurch, dass sie sich lediglich einer einzigen Tierart widmen. Beispeilhaft hierfür ist das Gemälde „Toter Kranich“ von Jean-Baptiste Oudry, welches einen Menagerievogel zeigt, der durch Menschenhand starb. Der aus Indien stammende Saruskranich gilt mit bis zu 1,50 m Körperlänge als größte Kranichart und ist somit ein überaus stattlicher Vogel. Sein Gefieder ist überwiegend schiefergrau gefärbt, auffällig ist vor allem die ausgeprägte rote Färbung am Kopf, die sich über das obere Drittel des Halses erstreckt.

Der in gedeckten Farben gehaltene Hintergrund lässt den leblos am Boden ausgebreiteten Kranich immer noch opulent wirken. Die Farbigkeit des prachtvollen Gefieders weist feinste Abstufungen auf. Auch wenn die Beine des Tieres gefesselt, der Hals wie gebrochen wirkt und die Flügel zur Seite gespreizt hängen, hat der Kranich seine Anmut nicht verloren. Halbgeöffnete Augen scheinen den Betrachter fast vorwurfsvoll entgegenzublicken.

Der französische Tier-, Jagd- und Landschaftsmaler Jean-Baptiste Oudry war unter anderem als Hofmaler des französischen Königs Ludwig XV. tätig. Als Vorlage für seine naturalistischen Tierdarstellungen dienten ihm Zeichnungen und Farbstudien, die er von Tieren aus dem königlichen Tiergarten in Versailles anfertigte. Unter seinen Tierdarstellungen finden sich Jagd- und Tierstillleben, die sich zum einen durch die Bandbreite an exotischen Tierarten und zum anderen durch eine sehr realistische Wiedergabe der einzelnen Art auszeichnen.

Er schuf eine Serie großformatiger Gemälde von Menagerietieren. Aus dieser Bildserie ist der 1745 gemalte Kranich das einzige Bild, das ein totes Tier zeigt. Warum sich der Künstler ausgerechnet in diesem Fall für die Darstellung eines toten Tieres entschied, ist nicht sicher geklärt. Die anderen Tiere aus dieser Bildserie umfassen ebenfalls exotische Tierarten, darunter Portraits einer Antilope, eines Leopards und eines Kasuars.

Tierportraits und Jagdstilleben waren vor allem bei Adligen und Fürsten beliebt. Naturgetreue Darstellungen wie dieser Kranich zierten vor allem herrschaftliche Sammlungsräume bzw. naturgeschichtliche Kabinette. Unsere heutigen Naturkundemuseen sind als indirekte Nachfolger von Naturalienkabinetten und Wunderkammern, die der fürstlichen Repräsentation und dem Forschungsdrang dienten, hervorgegangen. Hier zeigte sich bereits die Neugier, Exotisches zu sammeln und zu besitzen. Die diesbezüglichen Objekte wurden später auch in den Naturkundemuseen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das 1793 aus dem Jardin du Roi hervorgegangene Musée d’Histoire Naturelle in Paris gilt als Vorbild für die Einrichtung öffentlicher naturhistorischer Museen in Europa.

© the artinspector / dr. stefanie meier-kaftan

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