Jean-Léon Gérôme - Pygmalion und GalatäaÖl auf Leinwand, 1890, 88,9 × 68,6 cm, The Metropolitan Museum of Art in New York

Tags: 19. Jahrhundert Jean-Léon Gérôme Mythologie Frankreich Orientalismus

Zum Leben erweckt...

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zu dem berühmten Gemälde 'Pygmalion und Galatäa' von Jean-Léon Gérôme!

Jean-Léon Gérôme - Pygmalion und Galatäa

 

Der König Pygmalion schuf eine Elfenbeinstatue so schön, dass er selbst sich in sie verliebte. Er machte ihr Geschenke und nahm sie sogar mit zu sich ins Bett. Ein Gebet an Venus wurde von dieser erhört und die Statue durch einen Kuss zum Leben erweckt. 

 

Obwohl ein König, wurde Pygmalion von den Künstlern als Identifikationsfigur betrachtet und meist wenig standesgemäß in einem Atelier dargestellt. Gérôme wurde dabei so konkret, dass er die mythologische Szene in sein eigenes Atelier versetzte. Die Grenzen zwischen ihm und der mythologischen Figur werden fließend. Statt Venus kommt hier ihr Stellvertreter und Sohn Amor ins Bild. Dieser schwebt ein wenig transparenter als der restliche Bildgrund von rechts ins Bild. Er zielt auf die Beiden. Ob das noch nötig ist, so innig wie sie sich bereits küssen? Da stört es die beiden auch nicht, dass nur die Hälfte des weiblichen Körpers bereits belebt sind. Durch die Rückenansicht wird auch die Phantasie des Betrachters angeregt. Die Tatsache, dass Pygmalion für den Kuss in einer Schrittstellung festgehalten ist, vermittelt etwas Spontanes, Unmittelbares. 

 

Gérôme widmete sich dem Thema nicht nur einmal. Vor dieser Leinwandausführung schuf er bereits eine Marmorgruppe, die ihm als Vorlage für weitere Gemälde diente und ihm verschiedene Ansichten desselben erlaubten. Die Details im Hintergrund können nicht eindeutig zugeordnet werden. Von links nach rechts ist eine Statue der Jagdgöttin Diana zu sehen, daneben eine Mutter mit Kind, schließlich eine sitzende Frau mit Spiegel. Rechts finden sich zwei verzerrte Masken und unten rechts womöglich das Haupt der Medusa auf einem Schild. Kompositorisch ist das Werk fast mittig durch eine gerade Linie in zwei Hälften geteilt. Unten Brauntöne und die noch im Elfenbein befindlichen Beine der Statue, oben zum Leben erweckte Liebe und zahlreiche Kunstwerke im Atelier.

 

© the artinspector / alexandra tuschka