Johann Heinrich Wilhelm Tischbein - Goethe in der CampagnaÖl auf Leinwand, 1787, 164 x 204 cm, Städel in Frankfurt

Tags: 18. Jahrhundert Deutschland Deutsche Malerei

Antike oder Gegenwart?

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zu dem berühmten Gemälde 'Goethe in der Campagna' von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein!

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein — Goethe in der Campagna

Nur kurze Zeit nach dem ersten Kennenlernen in Italien, saß Goethe für Tischbein Modell. Die beiden Männer lernten sich kennen, als Goethe unter einem Pseudonym, um nicht erkannt zu werden, auf seiner Italienreise bei Tischbein und zwei weiteren Malern unter kam. Tischbein stammte aus einer Malerfamilie und führte den obligatorischen Italien-Besuch für Studienzwecke durch. 

Das Bild misst 164 x 206 cm und zeigt den jungen Dichter leicht überlebensgroß in einen Reiseemantel gehüllt. Er hat es sich in der freien Natur bequem gemacht. Vorstudien sind erhalten und bezeugen, dass es sich hier um die Trümmer von einem Obelisken handeln muss. Weitere Verweise auf die Antike finden sich, wie etwa das Relief mit Iphigenie und Orest, welches deutlich im Hintergrund erkennbar ist. Dieses spielt freilich auf das Werk «Iphigenie auf Taurus» an, an welchem Goethe zu dieser Zeit arbeitet. Hinter ihm die weiten Landschaften der römischen Campagna, wohin beide Männer nachweislich Ausflüge miteinander unternommen haben. Hier sehen wir die Inszenierung des Denkers Goethe, der über das Schicksal der Welt sinniert. Er ist ein Mann zwischen zwei Epochen, der — hoch angesehenen — Antike und der Gegenwart. Goethes literarische Ausrichtung hat sich der Erneuerung des Klassischen verschrieben. 

Das Werk zeigt anatomische Nachlässigkeiten… und hat Goethe zwei linke Füße? Dies mag darauf zurückzuführen sein, dass das Werk in zwei Etappen entstand, und womöglich nicht von Tischbein selbst vollendet wurde. Dieser musste Italien verlassen und das Werk undatiert und unsigniert zurücklassen. 

Das Werk hat unser Bild des großen, deutschen Dichters entscheidend geprägt und wurde in der Folge auch von anderen Künstlern häufig zitiert. 

© the artinspector / alexandra tuschka