Édouard Manet - OlympiaÖl auf Leinwand, 1863, 130 x 190 cm, Musée d'Orsay in Paris

Tags: 19. Jahrhundert Édouard Manet Genreszene Frankreich Französische Malerei Impressionismus Moderne Kunst Realismus

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Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zu dem berühmten Gemälde 'Olympia' von Édouard Manet!

Édouard Manet - Olympia

Das 19-Jährige Aktmodell Victorine Meurent liegt auf ausladenden Decken und schaut den Betrachter direkt und provokant in die Augen. Manet hatte das junge Mädchen erst ein Jahr zuvor kennengelernt - sie sollte eines der bevorzugten Modelle des Malers werden. Auch zahlreichen Kollegen saß sie Modell. Viel ist über die junge Frau nicht bekannt. Auch sie schlug eine Maler-Karriere ein, lernte Gitarre und verfiel später dem Alkohol. Später soll sie sogar als Straßenmusikerin mit einem Affen um Geld gebettelt haben. Hier jedoch zeigt Manet sie in ihrer Blüte.

Manet selbst kam aus einer wohlhabenden Familie und war ein Weltmann - charmant, kultiviert und talentiert. Nachdem bereits „Das Frühstück im Grünen" einen Skandal auslöste, führt die Olympia mit dem frivol empfundenen Motiv in diese Tradition fort. Auch in die Tradition der liegenden Venus eines Tizians oder Goyas und natürlich das Hauptwerk der schlafenden Venus von Giogione reiht sich das Motiv ein. Dennoch sehen wir hier nicht die Göttin, die das Bildmotiv stets legitimierte, sondern eine Prostituierte. Der fiktive Name „Olympia" hat keine ikonographische Tradition, erinnert aber phonetisch an die antiken Götterlegenden.

Einen Schuh hat sie bereits ausgezogen, der andere hängt noch lasch über den Zehen. Bis auf die Schleife, das Armband und die Orchidee im Haar könnte die Frau nicht nackter sein. Eine afrikanische Dienerin kommt von hinten in das Bild. Sie hält einen prächtigen Strauß Blumen, der an Manet's Können als Stilllebenmaler erinnert. Kommen die Blumen von einem Bewunderer? Das Mädchen ignoriert sie. Sie widmet sich uns - ihrem nächsten Kunden?

Manet wollte sich in die alten Meister einreihen - diese Neuinterpretation des alten Bildthemas wurde jedoch verkannt. 1871 erlitt Manet - wohl aufgrund der dauernden Zurückweisungen - einen Nervenzusammenbruch. Zu Lebzeiten verkaufte der Maler das Werk nicht; doch auch nach seinem Tod wollte es erst einmal niemand kaufen. Sargent und Monet schafften es später durch einen öffentlichen Spendenaufruf, das Werk für den Louvre zu erwerben.

© the artinspector / alexandra tuschka