Masaccio - Die Vertreibung aus dem ParadiesFresko, 1425–1428, Santa Maria del Carmine, Cappella Brancacci in Florenz

Tags: 15. Jahrhundert Bibel Italien Renaissance

Schlecht gealtert!

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zum berühmten Gemälde 'Die Vertreibung aus dem Paradies' von Masaccio!

Masacchio — Die Vertreibung aus dem Paradies

Ab jetzt ist nichts mehr einfach. In die Zeit geschleudert und bitter bestraft verlassen Adam und Eva das Himmelstor. Der Erzengel Michael hat bereits sein Schwert gezückt und vollstreckt Gottes Befehl der Vetreibung aus dem Garten Eden. Der Garten Eden — ein Ort voller Fülle und Liebe, aber auch ein Ort des Unbewussten. Seit der Renaissance wurde der Sündenfall nicht nur negativ gesehen, sondern auch die Tatsache, dass der Mensch zum Reflektieren und bewussten Wahrnehmen fähig ist als Errungenschaft betrachtet.

Verführt von der Schlange isst Eva vom Apfel der Erkenntnis (der in der Bibel nicht weiter beschrieben wird, sich aber in der abendländischen Kultur als Apfel durchgesetzt hat). Danach reicht sie die Frucht an Adam, auch er isst davon. Als sie erkennen, dass sie nackt sind und sich bedecken, weiß Gott, dass sie sein einziges Gebot gebrochen haben. Hier zeigt er sich unbarmherzig. 

Nicht nur die Schlange wird bestraft und muss fortan auf dem Boden kriechen und mit gespaltener Zunge sprechen, auch wir Menschen haben diesem Ereignis einiges zu verdanken. Die Frauen bekommen ihre Kinder unter Schmerzen, die Männer müssen ihr Brot im Schweiße ihres Angesichtes verdienen und das wichtigste: wir wurden in die Zeit geschleudert. Auf einmal gibt es die ersten Falten, der Körper lässt nach und wird schließlich sterben.

Das Fresko ist Teil der zyklischen Wandgestaltung  in Santa Maria del Carmine zu Szenen aus dem Leben Petri. Wir finden in diesem Zusammenhang auch Adam und Eva noch vor diesem Ereignis in ihrer ganzen Schönheit vor. Dieser Kontrast vorher-nachher wird im Masacchio im Zyklus mit räumlichem Abstand gezeigt, bei Michelangelo bspw. findet er viel direkter statt. Schmerzverzerrt und sich ihrer Nacktheit schämend verlassen die beiden das Paradiestor. Adam vergräbt sein Gesicht in den Händen — eine deutliche Geste der Scham und Schuld, die auch heute noch intuitiv von Menschen eingenommen wird, bspw. bei Gerichtsverhandlungen. Die hier zu sehenden Blätter sind inzwischen entfernt worden. 

Leider ist diese Sünde eine Erbsünde — alle Nachfahren der beiden ersten Menschen sind mit dieser Strafe belegt und werden erst durch Jesus am Kreuz wieder davon erlöst. Diese Entsprechungen findet man in dem Konzept der Typologie. Hier haben wir das Urbild (Typos) des Sündenfalls, der im Kreuzestod Jesu (Antitypos) seine Erfüllung findet. 

© the artinspector / alexandra tuschka