Hans Memling - Der hlg. Christopherus (Moreel-Triptychon)Öl auf Holz, 1484, 121 x 152.5 cm, Groeningemuseum in Brügge

Tags: 15. Jahrhundert Hans Memling Bibel Renaissance Nordalpin Deutschland Niederländische Malerei Deutsche Malerei Altar

Puh, dieses Kind ist aber schwer!

Beschreibung

Länge: 2:34 Min.

Bildbeschreibung und Interpretation des berühmten Gemäldes "Der heilige Christopherus" von Hans Memling!

Hans Memling - Der hlg. Christopherus

Ein Mann in rotem Gewand steigt aus dem Wasser, auf seinen Schultern sitzt ein blasses Kind. Rechts und links stehen zwei dunkel gekleidete Männer am Bildrand.

Dieses Werk stellt die Mitteltafel eines Triptychons des Wilhelm Moreel dar. Das Gesamtwerk ist als Familienportrait zu verstehen: Im linken Flügel befindet sich der Auftraggeber, im rechten seine Frau Barbara van Vlaenderbergh, die gemeinsamen Töchter und die heilige Barbara.

Die prominente Person auf unserem Bild erinnert an eine Geschichte der "legenda aurea": Der Kanaaniter Reprodus wollte dem höchsten Herrscher dienen und Christ werden. Von einem Einsiedler wurde er, aufgrund seiner hünenhaften Gestalt, zu einem reißenden Fluß gebracht, wo er Reisende von einem zum anderen Ufer bringen sollte. Eines Tages nahm er ein Kind auf seine Schultern. Während er es durch den Fluß trug, wurde dieses immer schwerer und nur mit Mühe konnte Reprodus sicher zum anderen Ufer gelangen. Dort erkannte er den Heiland in dem Kind, denn ihm wurde bewusst, dass dessen Gewicht die Laster der Erde waren, die das Kind zu tragen hatte. Ab diesem Zeitpunkt trug sein Stab Blätter und Früchte und er nannte sich „Christopherus“, ein sprechender Name für „der Christusträger“.

Memling konstruierte das Bild klar in drei Teile. In der Mitte steigt Christopherus mit dem Jesuskind durch zwei Felsvorsprünge hervor. Seine Attribute – Stab und Jesuskind – sind unverkennbar. Jesus ist im Segensgestus gezeigt und der Blick seines Trägers zeigt dessen Einvernehmnis mit seinem Schicksal. Im rechten Bildteil steht ein Mann, der ein Buch trägt und einer Hirschkuh die Hand auf den Kopf legt. Dieser ist, auch durch den Pfeil, den man am Ärmel erkennt, als der hlg. Aegidius, einer der vierzehn Nothelfer, zu erkennen. Dieser war ein populärer Heiliger bei Enstehung des Triptychons. Im linken Teil identifizieren wir den heiligen Maurus, der hier als Benediktinermönch erscheint. Zwischen Christopherus und ihm ist ein weiterer Mann mit einer Laterne zu erkennen. Er wies Christopherus den Weg durch die Fluten.

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