Adolph von Menzel - Das EisenwalzwerkÖl auf Leinwand, 1875, 153 x 253 cm, Alte Nationalgalerie in Berlin

Tags: 19. Jahrhundert Adolph Menzel Deutschland Deutsche Malerei Realismus Historienmalerei

Ganz schön anstrengend!

Beschreibung

Länge: 3:36 Min.

Bildbeschreibung und Interpretation zu dem berühmten Gemälde 'Das Eisenwalzwerk' von Adolph von Menzel!

Adolph von Menzel - Das Eisenwalzwerk

Adolph von Liebermann gab beim „Maler Preußens“ Adolph von Menzel ein Werk in Auftrag, welches die Bedingungen der Arbeiterklasse zum Thema hatte. Ein unkonventionelles Thema – Menzel war eigentlich dafür bekannt, Gemälde des häuslichen und gesellschaftlichen Lebens zu schaffen, neben Natur- und Stadtansichten.

Aus über 100 Studien, die der Maler in Königshütte in Schlesien herstellte, entwickelte er ein Gemälde von 153 x 253 cm Größe – so imposant wie die Maschine, die den Bildgrund beherrscht. Das „Eisenwalzwerk“ zeigt das innere einer Fabrikhalle, in der Eisenbahnschienen hergestellt wurden. 3000 Arbeiter produzierten hier zu Hochzeiten jährlich 55.000 Tonnen Roheisen, 43.000 Tonnen Stabeisen und Bahnschienen, 750 Tonnen Rohzink und 10.000 Tonnen Stahl für die Eisenbahn.

Das Gemälde wirkt auf den ersten Blick ungeordnet und doch ist die Komposition eine wohl durchdachte Dreiteilung. Der Blick wird durch die leuchtende, Funken sprühende Eisenwalze dominiert. Hier wird ein weiß glühendes Eisenstück von zwei Männern an die erste Walze der Walzstraße herangefahren. Das Eisenstück liegt auf der Deichsel, die sie mit vereinter Kraft anheben. Männer mit Zangen bringen das Material in die richtige Position. Auf der anderen Seite erwarten weitere Männer mit Zangen und Hebestangen das gewalzte Stück zur Weiterverarbeitung. Dieser Vorgang multipliziert sich an den Walzen im Hintergrund und macht auf die Arbeitsbedingungen innerhalb des Werkes aufmerksam. Diese sind weit entfernt von modernen Arbeitsschutzmaßnahmen – Barfuß in Holzpantoffeln stehen die Arbeiter an der Maschine, die Hemden lose hochgekrempelt. Nur Hüte und Schürzen schützen notdürftig vor etwaigen Funken.

Vorne rechts - erschöpft von der harten Arbeit - haben sich einige Arbeiter für eine Mahlzeit hingesetzt. Einer lässt die Schultern erschöpft hängen, der andere beißt gierig in einen der Fische, die ein Mädchen gerade ins Bild getragen hat. Sie hält als einzige Blickkontakt zum Betrachter.

Links hingegen beenden einige Männer ihre Schicht und waschen sich die Spuren des Arbeitstages von der Haut. Hier hat keiner der Arbeiter eine echte Identität. Auch der feine Herr mit Hut, der womöglich der Direktor oder leitender Ingenieur ist, ist typisiert. Er scheint elegant, doch unbeteiligt durch das Werk zu flanieren.

Die Arbeiterklasse und deren Bedingungen zum Gegenstand der Malerei zu machen, war unter diesem Gesichtspunkt umso beeindruckender. Das Werk zeigt keine Einheit von Mensch und Maschine, sondern eher deren dumpfen Zusammenstoß.

Der Betrachter bewahrt einen gewissen Abstand zum Geschehen. Abgelegte Werkzeuge im Vordergrund symbolisieren die Bildgrenze. Auch fällt es uns schwer, in das Dargestellte eine innere Haltung des Malers hineinzuinterpretieren. Der später hinzugefügte Untertitel „ Moderne Cyklopen“ - als Anspielung auf die Schmiedegesellen des Feuergottes Hephaistos - spricht vielmehr für den Eindruck einer dumpf arbeitenden Masse, die sich dem Ziel der Maschine untergeordnet hat.

© the artinspector / alexandra tuschka