John Everett Millais - Jesus im Haus seiner ElternÖl auf Leinwand, 1849/50, 86,4 x 139,7 cm, Tate Museum in London

Tags: 19. Jahrhundert John Everett Millais Englische Malerei England Präraffaeliten Bibel

Das tat weh!

Beschreibung

Länge: 2:13 Min.

Bildbeschreibung und Interpretation des berühmten Gemäldes "Jesus im Haus seiner Eltern" von John Everett Millais!

John Everett Millais - Jesus im Haus seiner Eltern

Ein kleiner Junge hat sich an der Handinnenfläche verletzt und präsentiert sie frontal dem Betrachter. Seine Mutter kniet sich neben ihn und betrachtet die Wunde. Im Hintergrund arbeiten zwei Männer an einer Holztür, es fallen Späne. Hinter dem Tisch in der Mitte, an dem die Männer arbeiten, steht eine ältere Frau, die die Szene vorne besorgt beobachtet. Schüchtern bringt ein weiterer Junge eine Wasserschale ins Bild.

Jesus im Haus seiner Eltern“ – hat Millais sein Gemälde genannt, die Szene spielt demnach in der Tischlerei Josefs. Dieser beugt sich von rechts zu dem Knaben. Er ist durch seine Halbglatze bereits als älterer Mann dargestellt – eine übliche Stilisierung, die die Theorie der unbefleckten Empfängnis noch bestärken soll. Der linke Junge, der so unbeholfen das Wasser bringt, kann hingegen leicht als Johannes der Täufer identifiziert werden.

Millais kreiert eine wenig idealisierte Phantasieszene aus Jesus Kindheit, die in vielerlei Hinsicht auf dessen Lebensweg und die Passion verweist. Durch die Tischlerwerkstatt finden wir aber einen neuen Sinnzusammenhang, den Millais clever und stimmig kombiniert. So fällt ein Tropfen Blut von Jesus Hand auf seinen Fuß und ersetzt die Stigmata; ebenso verweist die Leiter im Hintergrund sowie die zwei Nägel, die so präsent auf der Holzplatte liegen, an die „arma christi“. Das Dreieck über Christus Kopf kann als Symbol für die Dreieinigkeit gedeutet werden. Auch die Taube, die auf einer Sprosse der Leiter Platz genommen hat, steht in diesem Zusammenhang.

Die fiktive Szene zeigt Jesus in einem weißen Gewand mit rötlichen Haaren. Während die Personen im Hintergrund weiterhin ihrer Arbeit nachgehen, hat seine auf die Knie gefalle Mutter bereits eine Beweinungsgeste eingenommen und weist somit auf das kommende Schicksal hin.

© the artinspector / alexandra tuschka