Nicolas Poussin - Landschaft mit Pyramus und ThisbeÖl auf Leinwand, 1651, 191,0 x 274,0 cm, Städel Museum in Frankfurt

Tags: 17. Jahrhundert Frankreich Französische Malerei Nicolas Poussin Landschaft

Welch Gewitter zieht auf!

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zum berühmten Gemälde ' Landschaft mit Pyramus und Thisbe' von Nicolas Poussin!

Nicolas Poussin — Landschaft mit Pyramus und Thisbe

Ist es Zeus, der hier wütende Blitze über die Landschaft schickt? Ein Zeichen des Unheils? Zumindest steigern die wilden Wetterumstände die Dramatik und spiegeln die Tragik der vorderen Szene wider. Hier liegt Pyramus, der sich mit dem Sturz ins Schwert selbst getötet hat auf dem Boden. Aus seinem Körper ist bereits jedes Leben entwichen. Das Schwert liegt noch als stiller Zeuge neben dem Leichnam und auf dem Boden sind Blutspuren zu entdecken. Nur ein paar Schritte daneben kämpft Thisbe gegen den starken Wind an. Die Arme hat sie in Verzweiflung ausgebreitet und der Mund ist zum Schrei geöffnet. Bald wird sie den Liebsten erreichen und sich aus Liebeskummer ebenso ins Schwert stürzen. Ein Doppelsuizid aus Liebe. Beide gehörten verfeindeten Familien an, und durften sich nur heimlich lieben.... Moment mal! Das kommt uns bekannt vor? Die Nähe zu „Romeo und Julia“ kommt nicht von nirgendwo, den Pyramus und Thisbe sind die antiken Vorbilder zur tragischen Liebesgeschichte und waren eine Inspiration für Shakespeare.

Laut Ovids Quelle der „Metamorphosen“ wuchsen beide in Bablyon in benachbarten Häusern auf. Sie wohnten Wand an Wand und konnten durch einen kleinen Spalt in der Wand miteinander kommunizieren. In der Öffentlichkeit verstanden sie sich durch Zeichensprache. Eines Tages verabredeten sie sich am Grab des Ninus unter dem großen Maulbeerbaum. Thisbe traf zuerst ein und begegnete einer Löwin. Auf der Flucht vor dieser, verlor sie ihr Tuch, welches die Löwin zerriss. So befand sich Blut auf dem Schleier, welches aber nicht von Thisbe, sondern von tierischer Beute stammte. Pyramus, der wenige Zeit später eintraf, sah nur den blutverschmierten Schleier und glaubte Thisbe tot. Aus Liebeskummer stürzte er sich in sein Schwert. Als Thisbe zurückkam, sah sie den Leichnam und tat es ihm gleich. Ihr Blut bespritzte die weißen Früchte des Baumes. Bevor sie starb, bat sie den Maulbeerbaum aus Trauer immer blutrote Früchte zu tragen. Besonders tragisch ist dieser Doppelsuizid, weil er auf einem Missverständnis begründet ist.

Poussin entscheidet sich in seinem Werk, anders als viele andere Künstler, diese Geschichte der Natur unterzuordnen und die innere Gemütsverfassung Thisbes auch im Außen Form zu geben. So sehen wir bewegte Bäume, aber auch einen stillen See. Wir sehen Bauern, die dem Löwen trotzen, aber auch eine unbeeindruckte Herde im Mittelteil. Unvermögen? Symbolik? Soll der Kontrast der Stille zu dem Unwetter die beiden Zustände der Protagonisten widerspiegeln? Zwei Blitze schlagen im Hintergrund ein, davon einer in eine Eiche – der Baum, der für Ewigkeit und Betständigkeit steht. Soll der Riss in der Wolkendecke auch an den Riss in der Häuserwand erinnern? Die Stadt hingegen steht unberührt und weist – typisch Poussin – viele antike Elemente auf. Durch die vielen Figuren belebt er das Bild und lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters ein wenig von der vorderen Szene ab. Ein eindeutig als Maulbeerbaum zu identifierender Baum findet sich allerdings nicht.

© the artinspector / alexandra tuschka