Peter Paul Rubens - Ganymed und HebeÖl auf Leinwand, 1611 / 1612, 207 x 207 cm, Fürstlich Schwarzenberg'sche Kunststiftung in Vaduz

Tags: 16. Jahrhundert Peter Paul Rubens Mythologie Niederlande Flämische Malerei Barock

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Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zu dem berühmten Gemälde 'Ganymed und Hebe' von Peter Paul Rubens!

Peter Paul Rubens — Ganymed und Hebe

Das frühere Werk „Ganymed und Hebe“ von 1611 zeigt die Adler-Ganymed-Gruppe innerhalb eines quadratischen Formats. Die beiden befinden sich vom Bildmittelpunkt aus ein wenig nach links versetzt. Nur selten wurde der von Rubens gewählte Moment in der Kunst verarbeitet, denn Adler und Jüngling sind hier bereits im Himmel angekommen. Mit beiden Klauen auf der Wolke gelandet, wird der Junge von Zeus abgesetzt. Dessen Körperwendung richtet sich allerdings nach hinten zu den zwei Göttinnen, die sich am rechten, oberen Bildrand befinden. Eine von ihnen ist Hebe, die Göttin der Jugend. Sie trägt ihre Erkennungszeichen Blumenkranz und Kelch.

Obwohl sie jahrhundertelang ihre Rolle als Mundschenkin treu ausgeübt hatte, benutzte Zeus eine List, um ihren Platz freizumachen und Ganymed zu ihrem Nachfolger zu benennen. Oft wird Hebe im Gefolge Zeus‘ mit einer Schale dargestellt oder, wie in diesem Gemälde von Louis Fischer, beim Füttern des Adlers – dem Symboltier des Gottvaters. Eines Tages fiel Hebe beim Servieren zu Boden. Sie beschämte die anwesenden Gottheiten, da man ihr Geschlecht erkennen konnte, was Unruhe stiftete. Zeus nahm dies zum willkommenen Anlass, seinen Günstling Ganymed als Mundschenk einzusetzen, der weniger Aufsehen erregen würde. Rubens zeigt die Übergabe des Kelches der Göttin an Ganymed - fröhlich sieht sie nicht aus. Ganymeds Rolle als neuer Mundschenk ist nun besiegelt. Im linken, oberen Bildrand öffnet sich zudem die Wolkendecke und gibt den Blick auf ein Göttergelage frei. Diese sind an einem braunen Holztisch versammelt, während zwei Nymphen sie mit Musikinstrumenten unterhalten. Tatsächlich ist das Gemälde in der Lage, Gegenwart, Vergangenes und Zukünftiges simultan zu vermitteln. Die Flügel des Adlers sind noch weit geöffnet – die Entführung scheint gerade erst stattgefunden zu haben – Ganymed hat nicht einmal die Fänge des Adlers völlig verlassen. Diese Schwinge des Adlers deutet vermittelt auch kompositorisch zwischen den beiden Szenen, da sie auf die Göttinen verweist.

Der Blick des Betrachters folgt dem Geschehen nun weiter nach hinten links, wo das Göttergelage den zukünftigen Arbeitsplatz des Jünglings offenbart. Die klare Leserichtung des Bildes wird von einem Wolkenband unterstützt, welche sich wie eine Kurve durch das Gemälde zieht. Auch sind die Szenen tiefenräumlich deutlich abgestuft, dies ist sogar derart ausgeprägt, dass das Göttergelage als völlig losgelöst von den anderen beiden Szenen gelten kann.reift ihn vor den Augen seiner Gefährten und entführt ihn auf den Olymp.

© the artinspector / alexandra tuschka