Peter Paul Rubens - Pan und SyrinxÖl auf Leinwand, 1617 - 1619, 40 × 61 cm, Museumslandschaft Hessen in Kassel

Tags: 17. Jahrhundert Peter Paul Rubens Mythologie Niederländische Malerei Barock

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Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zu dem berühmten Gemälde 'Pan und Syrinx' von Peter Paul Rubens!

Peter Paul Rubens — Pan und Syrinx

Nun, Pan war nicht dafür bekannt, sich sexuell zurückzuhalten! Auch in diesem Werk nähert er sich wieder einmal — unaufgefordert — einer Nymphe. Diese trägt den Namen Syrinx und ist als Anhängerin der Jagdgöttin Diana (Artemis) der Jungfräulichkeit verschrieben. Sie will flüchten, doch Pan ist hartnäckig. Syrinx bittet ihren Vater, den Flussgott Ladon um Hilfe, der sie kurzerhand in Schilf verwandelt. Pan streift mit seiner Hand wehmütig durch die Halme. Als ein Stöhnen ertönt, bastelt er sich aus dem Schilf die Panflöte, die ihn fortan begleiten wird. 

Diese Geschichte, die auch in Ovids Metamorphosen festgehalten wurde, hat große Ähnlichkeit mit der Geschichte von Apollon und Daphne, bei der die Nymphe Daphne auf der Flucht vor Apollon von ihrem Vater, einem Flussgott, in einen Lorbeerbaum verwandelt wird. Auch die Ikonographie beider Themen ähnelt sich. Während Daphne meist in der unmittelbaren Verwandlung zu sehen ist, bot sich für die Pan / Syrinx-Gruppe eine andere Bildlösung an: Das Schilf ist hier bereits aus dem Boden geschossen und verhindert jeglichen direkten Körperkontakt zwischen den Protagonisten. 

In diesem Werk kommt Pan vergleichsweise undynamisch von links ins Bild. Sein muskulöser Körper und seine breitbeinige Haltung machen seine Kraft und seinen Machtanspruch klar. Auch durch Positionierung und Farbigkeit sind sich beide Personen deutlich und kontrastreich gegenübergestellt. Mit der einen Hand greift er nach dem Gewand, mit der anderen versucht er das Schilf aus dem Weg zu räumen für einen besseren Blick auf das Mädchen. Diese ist — in typischer Rubensmanier — ein wenig beleibter als das zeitgenössische Schönheitsideal. Mit ihrer Kleidung bedeckt sie ihre Scham. Diese Haltung orientiert sich womöglich an der Statue der Venus Pudica. Das Bild selbst ist eher kleinformatig.

Rechts ist ein sich nach hinten erstreckender Wasserlauf zu sehen, der auf den Vater der Gezeigten, den Flussgott Ladon hindeutet. Bei vergleichbaren Werken kann sich dieser schon einmal im Bild befinden und aktiv ins Geschehen eingreifen. Hier wird auf diese Figur verzichtet und die Intimität der Szene verstärkt. Das gesamte Bild wird durch eine Vielzahl unterschiedlicher Blumen belebt. Die Narzisse vorne ist sehr präsent und könnte auf eine weitere Verwandlung abzielen, die sich in den Metamorphosen vollzieht: Narziss, der an einem Ufer verstarb, verwandelte sich nach seinem Tod in eine Narzisse. War es womöglich an dieser Stelle? 

© the artinspector / alexandra tuschka