Pieter Brueghel - Die niederländischen SprichwörterÖl auf Holz, 1559, 74,5 x 98,4 cm, Gemäldegalerie in Berlin

Tags: 16. Jahrhundert Pieter Breughel flämische Malerei Sprichwörter Komposition

Verkehrte Welt?

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation des berühmten Gemäldes 'Die niederländischen Sprichwörter' von Pieter Brueghel d. Ä.!

Pieter Brueghel d. Ä. — Die niederländischen Sprichwörter

„Die niederländischen Sprichwörter“ fordern uns von Anfang an heraus: Fast wie bei einem Suchbild blicken wir auf ein Dorf, in dem es wie in einer verkehrten Welt zugeht und äußerst Seltsames passiert.

Unsere Augen scheinen auf einer Achse vom linken, vorderen Bildrand nach rechts oben zu wandern. Der Versuch, der Bildachse durchweg zu folgen, schlägt fehl: ein mit Pfannkuchen gepflastertes Dach lenkt ab. Mit einem Besen aus der Dachluke heraus von der einen Seite, mit einem langen Stab bewaffnet von der anderen Seite, scheint es fast, als würden die Pfannkuchen zusammengetrieben werden. Doch wie sind sie überhaupt auf das Dach gelangt? Gleich, so scheint es, rutschen die Köstlichkeiten auch noch herunter. „Da ist das Dach mit Fladen gedeckt“ – ein Leben im Überfluss – ist nur eins von über 100 Sprichwörtern, die Pieter Brueghel d. Ä. phantasiereich und humorvoll unterbringt.

Im Bildzentrum unter einem blauen Pavillondach nimmt der Teufel die Beichte ab, im Stillschweigen anvertraute Geheimnisse werden dem Feind weitergegeben; als Zeichen des Ehebruchs wirft eine junge Frau im roten Kleid ihrem Mann einen blauen Mantel über.

Am rechten Bildrand quillt aus einem umgekippten Kopf wertvoller Brei, uns auch als verschüttete Milch bekannt, der mühsam und erfolglos in den Topf zurückgelöffelt wird, während auf einem langen Holzbrett ein Mann mit ausgestreckten Armen versucht, gleichzeitig zwei Brote zu greifen, statt sich für eins entscheiden.

Während im Fluss die großen Fische die kleinen fressen, fischt ein Fischer nicht mit dem Netz, sondern dahinter, womit er seine Gelegenheit auf ein sättigendes Abendbrot verpasst. In einer halben Erdkugel feststeckend, scheint einer seinen Weg zu suchen, um durch die Welt zu gehen, während hinter ihm ein Brunnen zugeschüttet wird, in das ein Kalb gefallen ist. Bissig und humorvoll nimmt Brueghel so manchen Charakterzug seiner Zeitgenossen aufs Korn, wissend, dass es mit dem Kopf durch die Wand eben nur selten zum Ziel geht.

© the artinspector / sylvi weidlich