Quentin Massys - Das ungleiche PaarÖl auf Leinwand, 1520 - 1525, 43,2 x 63 cm, National Gallery of Art in Washington DC

Tags: Niederlande Nordalpin 16. Jahrhundert Renaissance

Klar lieb ich dich!

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation des berühmten Gemäldes 'Das ungleiche Paar' von Quentin Massys!

Quentin Massys — Das ungleiche Paar

Junge Frauen, deren wahres Interesse finanzieller Natur ist und keineswegs echte Herzensangelegenheit – dieses Thema – auch bekannt unter „ungleichen Paaren“ oder passend im Englischen als „ill-matched lovers“ bezeichnet, erfreute sich in den Niederlanden des späten 15. bis Mitte des 16. Jahrhunderts großer Beliebtheit. Dabei folgen die meisten Darstellungen des Themas einem recht eindeutigen Schema: vor einem dunklen, undefinierten Hintergrund befinden sich zwei Personen, die durch Alter und Farbgebung deutlich unterschieden werden. Die Frauen entsprechen mit der hohen Stirn, den dünnen Lippen, der blassen Haut und filigranen Fingern dem damaligen Schönheitsideal, während der Alte im Bild mit dunkler, schmutziger Haut und einem meist lüsternen und zahnlosen Lächeln das unästhetische Gegenteil bildet. Die Nahsicht erlaubt den Künstlern, die Altersunterschiede besonders drastisch und offensichtlich darzustellen. Obwohl die Damen lächeln und, wie hier, dem Herren oft mit einer Geste ihre Zuneigung bekunden, wird die wahre Motivation für diese Liebschaft nur allzu schnell klar. Ein Griff in den Geldbeutel des Alten und schon verschwindet ein Teil des Geldes in den eigenen Taschen. Der Narr, den Massys ins Bild mit einfügte, macht nur allzu deutlich, wie schnell ein Mann zum Narren gehalten werden kann.

 

Eine kompositorische Eigenart in diesem Werk ist die scheinbare Verlängerung des Armes des Mannes. Durch die Überschneidung mit dem grünen Samtkleid der Frau könnte man meinen, er selbst reiche den Geldbüschel zum Narren herüber – wäre da nicht der entlarvende Finger auf der Brust der Frau, an dem ein schmuckvoller Ring blinkt. Massys gibt seinen Figuren leicht karikierende Züge. Die dunkle Hand des Mannes krallt sich in die Haare des Mädchens und könnte in seiner Geste nicht deutlicher sein. Der Narr kommentiert das Spiel mit einem Zungenschnalzen. Er greift bereits beherzt nach dem Geldbüschel, was ihm nach hinten gereicht wird. Die „Weibermacht“ war ein allgegenwärtiges Thema der Künstler dieser Zeit und das „ungleiche Paar“ ein willkommenes Beispiel für die Verführungskraft der Frauen, die die Männer zu Narren machen können. Mit Abstand seltener, aber dennoch vorhanden finden wir – unter anderem bei Cranach – die Rollenverteilung auch vice versa.  

 

© the artinspector / alexandra tuschka