Peter Paul Rubens - Samson und DelilaÖl auf Holz, um 1609, 185 x 205 cm, National Gallery in London

Tags: 16. Jahrhundert Peter Paul Rubens Bibel Niederlande Flämische Malerei Barock

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Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zu dem berühmten Gemälde 'Samson und Delila' von Peter Paul Rubens!

Peter Paul Rubens - Samson und Delila

Was hier passiert, muss heimlich geschehen! Sollte Samson aufwachen, der als der stärkste Mann der Bibel bekannt ist, könnte er wahrscheinlich die lauernden Verräter mit seinen bloßen Händen zerdrücken. Aber er ist eingeschlafen. Sein Kopf liegt im Schoße von Delila, seiner Liebsten, die hier hell erleuchtet im linken Bildgrund zu sehen ist.

Die Philisterin Delila hatte Samson zuvor durch eine List entlockt, woher dessen Stärke kam – aus den Haaren. Und so beschloss sie, Samson in der Nacht die Haare abzuschneiden, um den Philistern, ihren Verbündeten doch seinen Feinden, die Chance zu geben, ihn zu schwächen und gefangenzunehmen. Rubens zeigt die gezückte Schere in den Händen eines Barbiers. Die ineinander verschlungenen Hände sind selten geschickt von dem damals erst 31 Jahre alten Rubens in Szene gesetzt und mögen auch symbolisch für die Verstricktheit der Situation stehen. Eine alte Dienerin erhellt nicht nur die Szene mit Kerzenlicht, sondern auch ihr eigenes, faltiges Gesicht. Delila hingegen scheint fast traurig zu sein. Sie erscheint erschöpft und passiv. Ihre Kopfhaltung ähnelt der der Venusstatue im Hintergrund. Diese erinnert an die Weibermacht und die Verführungen der Frauen. Auch das flächige Rot steht in diesem Zusammenhang. Unter dem Gewandt macht sich ein Teppich aus kostbaren Materialien breit.

Samsons muskulöser Rücken wölbt sich; selbst im Schlaf sind die wohlgeformten Muskeln noch gut zu erkennen. Samsons imposante Körpergröße zieht sich riesenhaft in die Bildtiefe hinein. Dort, versteckt und ängstlich hinter einem Türrahmen zusammengekauert haben sich einige Philsiter eingefunden, die auf ihren Einsatz warten. Ihre Gesichter werden von einer Fackel erleuchtet. Zudem halten sie Pflöcke in den Händen, mit denen sie Samson bald blenden sollten.

Das Bild entstand um 1609 für den großen Saal des Antwerpener Stadtpalais des Ratsherren Nicolaas Rockox.

© the artinspector / alexandra tuschka