Philipp Otto Runge - Die Hülsenbekschen KinderÖl auf Leinwand, um 1806, 131,5 x 143,5 cm, Hamburger Kunsthalle in Hamburg

Tags: 19. Jahrhundert Deutsche Malerei Deutschland Philipp Otto Runge Romantik Frühromantik Portrait

Auf, auf! - Oder doch nicht?

Beschreibung

Länge: 2:22 Min.

Bildbeschreibung und Interpretation zu dem berühmten Gemälde 'Die Hülsenbekschen Kinder' von Philipp Otto Runge!

Philipp Otto Runge - Die Hülsenbekschen Kinder

Vor einem weißen, bildparallelen Zaun sind die drei Sprösslinge der Familie Hülsenbeck zu sehen: Der dreijährige Friedrich im roten Sternenkleid wurde in einen Wagen gesetzt. Sein pausbäckiges Gesicht und die speckigen Ärmchen sprechen für seine Unbeholfenheit in dieser Situation. Mit der rechten Hand hat er ein Blatt der Sonnenblume umgebogen. Nun trifft uns sein Blick direkt und mit kindlicher Neugier. Präsent in der Mitte befindet sich der fünfjährige August, in grün, der zum Peitschenhieb ausholt. In dieser Bewegung scheint er inne zu halten. Der Betrachter scheint seine Aufmerksamkeit geweckt zu haben. Die älteste, Maria, hingegen, dreht sich zurück und streckt ihre Hand fürsorglich aus.

Die pralle Lebendigkeit der Kinder wird durch deren Größe und Position nah an der Bildgrenze bestärkt. Auch die Betrachterperspektive ist ungewöhnlich, da wir uns auf Augenhöhe der Kinder wiederfinden. Als Romantiker verstand es Runge, die Beseeltheit eines Kindes spielerischer auszudrücken als seine Zeitgenossen – diese stellten Kinder meist als kleine Erwachsene dar.

Wir befinden uns im Garten des Landhauses der Hülsenbecker, welches im rechten Hintergrund zu sehen ist. „Alles soll Portrait sein“ sagte Runge und beschreibt in einem Brief am 16. Oktober seinem Bruder Karl, dass im Hintergrund auch die Stadtansicht ein Portrait Hamburgs sei. Zu sehen, hinter Gebäuden, Äckern und Gehöften, von rechts nach links, seien die Türme von St. Nicolai, St. Petri und St. Jacobi zu sehen.

Symbolisch wird dieses Bild oft als Bewusstwerdung des Menschen gelesen. Die Bewegung des Jüngsten kann so mit dem Bewusstwerden der äußeren Welt zusammenfallen. Er ist noch völlig unselbstständig und sucht Halt. In diesem Zusammenhang mag die Pflanze links als paradiesischer Ursprung fungieren. Der mittlere befindet sich in kindlicher Aktivität und ist völlig gegenwärtig, während die älteste sich bereits umblickt. Diese Interpretation kann durch die Lichtführung bestärkt werden.

© the artinspector / alexandra tuschka