Carl Spitzweg - Der arme PoetÖl auf Leinwand, 1839, 36 cm × 45 cm, Neue Pinakothek in München

Tags: 19. Jahrhundert Carl Spitzweg Deutschland Deutsche Malerei Genremalerei Karikatur Biedermeier

"Nicht stören! Ich sinniere!"

Beschreibung

Länge: 2:04 Min.

Bildbeschreibung und Interpretation des berühmten Gemäldes 'Der arme Poet' von Carl Spitzweg!

Carl Spitzweg – Der arme Poet

Spitzweg war wohl etwas, was wir heute einen „Workaholic“ nennen würden. Sein umfangreiches Ouevre umfasst mehr als 1500 Gemälde und Zeichnungen. Von diesen hat es ein ganz besonderes in das Bewusstsein der Öffentlichkeit geschafft – der arme Poet. Das Gemälde stützt sich auf das Klischee des Dichters, den materielle Äußerlichkeiten nicht interessieren, da er sich ganz den geistigen Freuden zugewandt hat.

Es ist ein Bild, welches uns sofort zum Schmunzeln bringt: Ein Mann liegt im rechten Bildteil auf einer alten Matratze. Er scheint keine Motivation zu finden, aufzustehen und in den Tag zu starten – die Sonne scheint bereits kräftig durch das Fenster und verrät uns, dass es helllichter Tag ist. Und auch das leckende Dach stört den Schriftsteller nicht weiter – er hat kurzerhand einen Regenschirm aufgespannt, der die herabfallenden Tropfen von ihm ableitet. Vor der Matratze liegen zahlreiche Bücher und auf dem Schoß des Mannes befinden sich einige Manuskriptseiten. Die Brille ist ihm nach unten auf die Nasenspitze gerutscht. Womöglich zerdrückt der Mann gerade einen Floh zwischen seinen Fingern.

Links befindet sich ein grüner, unbeheizter Kachelofen. Daneben steht eine Waschschüssel und an einer darüber befindlichen Wäscheleine hängt ein ausgeleiertes Handtuch. Zylinder und Mantel hängen ebenfalls im Bild. Der Poet hat einige Papierblätter ins Ofenloch gesteckt, die uns in lateinischer Schrift verraten, dass hier des Poeten „dritte Bündel seiner Werke“ liegen, die offenbar nicht zu gebrauchen sind.

Heute wird davon ausgegangen, dass Spitzweg auf den zeitgenössischen Dichter Mathias Etenhueber anspielte. Dieser lebte ebenfalls in München und hatte, obwohl durchaus begabt, mit verblassendem Ruhm und den damit einhergehenden finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen.

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