Harmen Steenwyck - VanitasÖl auf Eichenholz, um 1640, 39,2 x 50,7 cm, National Gallery in London

Tags: 17. Jahrhundert Harmen Steenwyck Niederlande Stillleben Vanitas Niederländische Malerei Nordalpin

Alles ist vom Tod umgeben...

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zu dem berühmten Gemälde 'Vanitas' von Harmen Steenwyck!

Harmen Steenwyck - Vanitas

Stillleben sind nicht gleich Stillleben. Die Abbildungen unbelebter Gegenstände haben oft tiefere, symbolische Bedeutungen. So finden wir auch bei diesem Werk von Harmen Steenwyck viele solcher Gegenstände. Ganz links, präsent an die Tischkante gerückt befinden sich ein exotisches Schneckenhaus. Diese war im 17. Jahrhundert eine Rarität und steht für irdischen Reichtum, jedoch durch die Zerbrechlichkeit der Schale auch auf deren Vergänglichkeit. Das japanische Schwert ist ein Symbol für weltliche Macht. Der Stoff dahinter ist besonders kostbar. Die Kombination aus purpur und Seide verstärkt den Eindruck des Reichtums. Purpur war die teuerste aller Farben und Seide der teuerste der Stoffe um 1640.

Auch kann der Künstler durch die Plastizität und Materialität der Objekte sein Können unter Beweis stellen. Der Realismus des Künstlers äußert sich durch eine beeindruckende Maltechnik. So benutzte er dünne Pinsel und imitierte das Obermaterial einer Eichenholztafel.

Die Komposition des Gemäldes ist eine Kreuzform. Unterstützt wird diese durch das einfallende Licht. Dieses Schlaglicht beleuchtet den Totenschädel, wodurch dieser erneut hervorgehoben wird. Aber auch das Licht kann symbolisch gedeutet werden. Es steht für die Anwesenheit Gottes und ist im Gegensatz zu den anderen Objekten von ewiger Dauer. Der Totenkopf als klassischstes aller Vanitassymbole dominiert den Bildgrund. Er scheint dem Betrachter direkt zugewandt zu sein. Er ist umgeben von Instrumenten und Büchern, die wiederum für die Künste und weltlichen Freuden steht und auf die sinnliche Wahrnehmung anspielen.

Der steinerne Krug, der sich am rechten Bildrand befindet, mag Wasser oder Öl beinhalten. Nur schemenhaft erkennt man bei genauem Hinsehen die Umrisse eines Papstes auf der Oberfläche. Selbst dessen Ruhm überdauerte die Zeit nicht. Der simple Titel „vanitas“ fasst es treffend zusammen - all diese Güter und Statussymbole sind vergänglich im Angesicht des Todes.

© the artinspector / alexandra tuschka