Tizian - Der Tod AktaionsÖl auf Leinwand, 1559 - 75, 178,8 x 197,8 cm, National Gallery in London

Tags: 16. Jahrhundert Italien Mythologie Italienische Malerei Renaissance Manierismus Südalpin

Tötet ihn!

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zu dem berühmten Gemälde 'Der Tod Aktaions' von Tizian!

Tizian — Der Tod Aktaions

Der Jäger Aktaion stößt zufälligerweise auf die badende Jagdgöttin Diana. Sie bespritzt ihn mit Wasser und befürchtet, er könnte sich damit rühmen, sie nackt gesehen zu haben. Das wäre ein Unding bei der keuschen und jungfräulichen Göttin.

 

Er flieht. Überrascht über seine eigene Geschwindigkeit kommt er recht weit, doch dann spiegelt sich sein Bild im Wasser. Er erkennt, dass ihm Hörner gewachsen sind – er steckt mitten in einer Verwandlung zum Hirsch. Er zögert. Leider einen Moment zu lang, so dass seine eigenen Hunde, deren Herr er bis eben noch war, ihn bei lebendigem Leib zerreissen.

 

Aufgrund des erotischen Gehalts und auch der Möglichkeit der Maler, ihre varietá unter Beweis zu stellen, erfreute sich das Bad der Diana, dem Aktaion beiwohnt am dem 16. Jahrhundert großer Beliebtheit. Die Verwandlung Akations, die Titian für sein Spätwerk wählte, ist seltener. Mit 70 Jahren begann er das Werk und widmete sich wohl erst über ein Jahrzehnt später wieder diesem Bildthema. Daher wird diskutiert, ob das Werk überhaupt als vollendet angesehen wird oder nicht. Der Malstil des Malers hat sich im Laufe seines Lebens verändert. Inzwischen malt er offener, es sind grobe Pinselstriche erkennbar. Auch wenn das Werk stark nachdunkelte, können wir uns das Original sehr farbintensiv vorstellen. Fast alle Pigmente, die in der Renaissance bekannt waren, wurden hier verwendet: Grünspan, Ocker, Menninge und Zinnober sind nur einige davon.

 

Das Werk zeigt Diana, die mit einer bewegten Geste von links ins Bild rauscht. Sie hat ihr Arme wie zum Pfeilschuss ausgebreitet. Der Jäger wird zum Gejagten. Die Geste ist hier eher als Befehlsgeste zu verstehen. Der Pfeil ist nicht notwendig, da die Hunde ihr gehorchen. Sie springen dynamisch ins Bild. Vier an der Zahl, bei denen drei bereits bei Aktaion angekommen sind und durch ihre übergeordnete Staffelung die Drastik der Szene verstärken. Auch die Tatsache, dass Aktaion sich noch nicht vollständig verwandelt hat, sondern nur sein Kopf macht das Thema pikanter. Die Flusslandschaft verweist auf den Moment der Erkenntnis, der dieser Szene vorangeht.

 

Der Hintergrund teilt sich nahezu in der Mitte vertikal in zwei Hälften. Links sehen wir eine offene Landschaft mit Blick auf Wasser und Himmel, und der Bildgrund rechts symbolisiert den rettenden Wald, in dem Aktaion als Hirsch womöglich hätte entkommen können.

 

© the artinspector / alexandra tuschka