Jan van Eyck - Die Madonna des Kanzlers RolinÖl auf Holz, um 1437, 66 x 62cm, Musée du Louvre in Paris

Tags: 15. Jahrhundert Jan van Eyck Niederlande Flämische Malerei Madonna Portrait Doppel-Portrait Renaissance Nordalpin

Lasst nun Gnade walten!

Beschreibung

Länge: 2:54 Min.

Bildbeschreibung und Interpretation zu dem berühmten Gemälde 'Die Madonna des Kanzlers Rolin' von Jan van Eyck!

Jan van Eyck - Die Madonna des Kanzlers Rolin

Ein älterer Mann kniet mit ernstem Blick, die Hände zum Gebet gefaltet, im linken Bildteil. Vor ihm aufgeschlagen liegt ein Stundenbuch auf einem Schemel. Im rechten Bildteil hat sich die Himmelskönigin Maria im roten Mantel niedergelassen. Auf ihrem Schoß hockt das Christkind, dass dem Knieenden seinen Segen erteilt. Ein Engel schwebt mit goldener Krone über der Madonna.

Diese Szene spielt sich in einem hochgelegenen Palast ab. Dieser exponierte Standort eröffnet einen weiten Blick auf die Landschaft im Hintergrund. Es gab zahlreiche Versuche diese detailgetreue und mit über 2000 Figuren belebte Landschaft zu identifizieren. Alle Versuche scheiterten jedoch, da es sich hier nicht um eine bestimmte Gegend handelt, sondern um eine Synthese verschiedener Reiseeindrücke.

Dieses um 1437 gemalte Werk von Jan van Eyck war eine Auftragsarbeit von Nicolas Rolin, seines Zeichens Kanzler unter Herzog Philipp dem Guten. Rolin, 1376 in Autun geboren war kein beliebter Mann während seiner 40 jährigen Amtszeit. Er war sehr unnachgiebig bei der Eintreibung von Abgaben, nahm skrupellos Bestechungsgelder an. Einen Teil der fürstlichen Einkommen leitete er geschickt in die eigene Tasche. Röntgenaufnahmen zeigen, dass van Eyck Rolin ursprünglich mit einer großen Geldbörse dargestellt hat. Warum van Eyck diese aber wieder übermalte, bleibt unklar.

Rolin konnte mithilfe seines diplomatischen und strategischen Geschicks den Einflussbereich der Provinz Burgund versechsfachen. Das Großreich Burgund erstreckte sich von der Schweizer Grenze bis zur Nordsee, von Dijon bis nach Brügge. Dargestellt wird diese räumliche Ausdehnung Burgunds hier in der weitläufigen Landschaft.

Sein Seelenheil versuchte der alternde Rolin mit Mildtätigkeit zu erkaufen. In seinem Testament stiftete er 1461 der Kirche „Unserer lieben Frau“ zu Autun eine über sieben Kilo schwere, silberne Statue der Madonna nebst einer „goldenen, in La-Motte-Les-Arras angefertigten Krone“.

Das aufgestellte Kreuz auf der Brücke im Bildmittelteil spricht dafür, dass das Gemälde an den Vertrag von Arras – Rolins Lebenswerk - erinnern soll. Unter bis heute nicht geklärten Umständen wurde der Burgunderherzog Johann Ohnefurcht 1419 auf einer Brücke vom französischen Thronfolger oder dessen Freunden umgebracht. Zu den ausgehandelten Sühneleistungen der Franzosen gehörte die Errichtung eines Kreuzes am Tatort des Mordes, der Brücke von Montreau.

© the artinspector / enrico krause