Diego Velázquez - Las MeninasÖl auf Leinwand, 1656, 318 x 276 cm, Museo del Prado in Madrid

Tags: Spanien spanische Malerei Diego Velazquez 17. Jahrhundert Barock Portrait

Wer malt hier wen?

Beschreibung

Bildbeschreibung und Interpretation zu dem berühmten Gemälde 'Las Meninas' von Diego Velázquez!

Diego Velázquez – Las Meninas

Es könnte als der erste „Schnappschuss“ der Kunstgeschichte gelten – „las meninas“ zeigt einen intimen Moment im Innenraum des Alcazars. Aber das Spiel der vielen Blickachsen verwirrt uns - Was sehen wir?

Die Komposition gliedert sich deutlich in zwei Teile. Im oberen sind die hohen Wände von allerhand verdunkelten Kunstwerken behangen, und unten befindet sich das rege Treiben der Infantin und ihrer Hofdamen. Der Bildtitel richtet sich nicht etwa nach dieser Infantin – Margarita, sondern nach ihren Untergebenen – den „meninas“. Eine von ihnen reicht Margarita ein Tablett, womöglich befindet sich in auf dem goldenen Teller in dem roten Tonkrug auch parfümiertes Wasser zur Erfrischung. Eine andere hat uns als Eindringlinge bereits bemerkt, sie nimmt Blickkontakt auf und geht in einen Knicks. Die Zwergin Mari-Bárbola befindet sich rechts daneben, und ein kleiner Junge, Nicolasito, tritt einen dösenden Hund am Boden. Im Hintergrund unterhält sich eine Nonne mit einem Priester. Die Anwesenheit dieser beiden spielt auf die Gläubigkeit der Dargestellten an.

Rechts hingegen, an einer imposanten Leinwand, sehen wir dem Maler direkt in die Augen. Er scheint zurückgetreten zu sein, um sein Motiv zu begutachten. Dies hat jedoch noch einen anderen Grund – so wird deutlich, dass sich an seinem Wams die königliche Auszeichnung – das Kreuz des Jakobusordens befindet.

Der spanische Maler Velazquez zeigt sich in „las meninas“ seinem Hofstaat zugehörig und, neben der fünfjährigen Infantin Magarita, an einer großen Leinwand arbeitend. Diese erreicht fast die Größe des linken Bildrandes und ist von hinten zu sehen. Die ungewöhnliche Perspektivwahl erlaubt einen Einblick in den Innenraum des Alcazars, der Hauptresidenz des spanischen Hofes. Bis unter die Decke ist der Raum mit Bilden behangen, im Spiegel im Hintergrund sieht man das Königspaar eintreten. 

Der Maler ist in gewisser Hinsicht außerhalb dieses Geschehens dargestellt. Er und Magarita, die einzige Tochter Phillip IV., nehmen Blickkontakt zum Betrachter auf. Im Prozess des Malens hält er inne, so als wolle er zurücktreten, um sich einen Überblick über sein Motiv zu verschaffen. Dadurch wird erkennbar, dass an seinem Gürtel die symbolischen Schlüssel seiner Hofämter und auf seinem Wams das Kreuz des Santiago-Ordens befestigt ist.

Bereits 1724 wurden alle Personen von Antonio Palomimo identifiziert, dennoch ist besonders der linke Bildteil – die Interaktion von Maler und Betrachter – bis heute Anlaß zu verschiedenen Interpretationen. Wer wird gemalt? Das Königspaar, welches den Raum betritt, aber nur im Spiegel zu sehen ist? Das junge Mädchen, die von den Hofangestellten zurecht gemacht wird? Der Betrachter? Oder sehen sich gar alle in einem großen Spiegel und Velazquez malt das Spiegelbild?

© the artinspector / alexandra tuschka