Ferdinand Waldmüller - Am FronleichnamsmorgenÖl auf Leinwand, 1857, 65 × 82 cm, Österreichische Galerie in Wien

Tags: 19. Jahrhundert Ferdinand Waldmüller Romantik Oesterreich Oesterreichische Malerei

Magst du keine Blumen?

Beschreibung

Länge: 2:30 Min.

Bildbeschreibung und Interpretation des berühmten Gemäldes "Am Fronleichnamsmorgen" von Ferdinand Waldmüller!

Ferdinand Waldmüller - Am Fronleichnamsmorgen

Eine Kinderschar tummelt sich in der Mitte des Bildes des Österreichischen Malers Ferdinand Waldmüller. Einige Frauen, die die Kinder behüten, sind in der Gruppe auszumachen; der einzige Mann der Szene sitzt etwas abseits am linken Bildrand. Er ist bereits älter und stützt sich auf seinen Gehstock.

Obwohl das Gemälde mit seinen 65 x 82 cm recht klein ist, besticht es durch seine Detailgenauigkeit. Die Morgensonne tränkt die gesamte Szene in ein warmes Licht; links sind Rundbögengänge zu sehen, das Mauerwerk ist von Pflanzen umrankt - vermutlich befinden wir uns im Innenhof einer Kirche.

Die Kinder sind aufgeregt, denn es ist der Tag der Fronleichnamsprozession, wie uns der Gemäldetitel verrät. Zu diesem Zweck haben sich die Kleinen hübsch geschmückt. Vier Mädchen tragen ihre besten, weißen Kleider und haben sich Blumen ins Haar geflochten.

Ein Junge ist rechts abseits der Gruppe positioniert. Er hat einen Anzug mit blauer Schärpe an. In seinen Händen trägt er eine geschmückte Kerze und einen Liedtext - die Utensilien für die Prozession. Diese wird gleich beginnen. Der Junge macht sich bereits auf den Weg aus dem rechten Bildrand, wo sich vermutlich die Kirche befinden wird. Ein sitzendes Mädchen hält ihm den eben geflochtenen Blumenkranz hin; er aber lehnt das Angebot lachend ab.

Auf den ersten Blick erscheint das Gemälde harmonisch, doch der Schein trügt. Bei genauerem Hinsehen ist erkennbar, dass auch vier ärmere Kinder anwesend sind; drei von ihnen sind als Rückenfiguren zu sehen. Ein Mädchen im linken Bildgrund weint sogar. Die Kinder gehören zu der älteren Frau mit rotem Kopftuch, die den reichen Mädchen die Körbe mit Blüten füllt. Ihre eigenen Kinder flechten die Blumenkränze. Die wohlhabendere Frau hat ihr geschmücktes Baby auf dem Arm und sieht dem Vorgang wohlwollend zu. Der Kontrast der Schichten wird jedoch in dem kleinen Jungen im Vordergrund am deutlichsten – er hat nicht einmal Geld, um sich Schuhe zu leisten. Die Arme auf dem Rücken verschränkt, beobachtet er traurig die überhebliche Reaktion des anderen Jungen auf das Angebot seiner Schwester.

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